Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-109860
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Der romanische 
Stil. 
wesentlich ro1na11isch. Eine stärkere Annähernng an das eigentliche Wesen der 
Gotik findet sich nur im Außeren, in kleinen Strebebogen nämlich, welche von 
niedrigen Aussätz,en über den Wänden der Seitenschiffe entspringen und über die 
Seitendächer hinweg sich gegen das Mittelschiff spannen, um den Trägern der 
Gewölbelast von außen her Unterstützung und Sicherheit zu bieten. 
Eine solche Ausnahme des in Frankreich neu aufgekommenen Verfahrens, 
den Gewölbebau durch außerhalb angebrachte Massen sicher zu stellen, finden wir 
schon bei dem unter Erzbischof Hillin C1152s69; begonnenen Neuban des 
Ostchors am Trierer Dom, dessen fünfseitige Apsis an den Ecken mit Strebe: 
pfeilern beseHt ist. Doch blieb die Anwendung der Strebebogen auch in. der 
Folgezeit noch auf ziemlich vereinzelte Fälle beschränkt. 
Wie wenig aber auch bei derartigen, man könnte sagen gotisierenden Be: 
strebnngen ein wirklicher näherer Anschluß an den neuen Stil stattfand, dessen 
innerstes Wesen sich darin aussprach, das; er alles der Konstruktion unter: 
ordnete und schließlich das ganze Gebäude gewissern1aßen in ein konstruktiVes 
Gerüst mit Einfügung der unentbehrlichsten Fiillungen auflöste,  wie vieln1ehr 
die diesem Stil entlehnten Neuerungen nur um ihrer Zweckmäßigkeit willen 
bei sonst ganz in rheinischer Weise ausgeführten Bauten angewendet wurden, 
beweist sehr anschaulich die stattliche Pfarrkirche zu Gelnhausen, die zu den reiz: 
vollsten Schöpfungen des spätro1nanischen rheiuischen Stils gehört. Die Ecken 
der fünfseitigen Chornische und die Ecken der geradlinig schließenden Kreuz: 
arme sind hier mit Strebepfeilern bewehrt. Aber dazwischen ergeht sich die 
buntgestaltige rheinische Schmuckanhäufung in fast iibern1ütigem Spiel. Während 
die Gotik in der denkbar vollkommensten Durchbildung des Gewölbebanes ihre 
Ausgabe suchte, hat hier das Langhaus sogar noch flache Balkendecken, obgleich 
das Gebäude zweifellos erst im Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden ist. 
 Ja dem glänzenden Auszenfchmukk der für eine bloße Pfarrkirche ungewöhnlich reich 
aufgebauten und ansgestatteten Kirche zu Gelnhausen herrscht der Kleeblattbogen vor. 
Jm Schiffe sind die Arkaden fpix;bogig, die Oberfenfter aber rundbogig. Im Chor er: 
scheinen über hohen Spihbogenfenstern, die in aussgezacktcn Blenden liegen, kreisrunde 
Fenster, die aus je einer großen vierblättrigen und vier kleinen dreiblättrigcn Offnungen 
zusammengesetzt sind. Auch die Querhausfronten find mit Roseltensenstern durchbroche11; 
darüber haben sie in ihren Giebeln Fenster, welche sich innerhalb eines Spihbogens ans 
zwei auf Säulchen ruhenden Kleeblattbogen und einer Kreisöffnung über diesen zusammen: 
sehen. Solche Zufammenfassungen von verschiedengestaltigen Fenstern zu einer Gruppe 
wurden später bedeutsam füredie Entwickelung der eigenartigen gotischen Fensterarchitektur. 
Das O.uerhaus und die Chorräunie sind mit ausgebildeten Rippengewölben bedeckt, 
bei denen nicht nur die Kreuzr,ippen gefällig profiliert, sondern auch die Hauptgurte 
schön und reich gegliedert find. Jm Chor ruhen die Gurtungen auf Gruppen fchlanker, 
von Schaftringen umgebener Säulen. An den westlichen Vierungspfeilern erblicken wir 
gurttragende Säulen, welche nicht vom Boden aufsteigen, sondern auf Koufolen stehen. 
Auch die Halbfäulchen der Blendarkaden, welche im Chor die Wände zieren, ruhen zum 
Teil auf solchen Kragsteinen CAbb. 129J.  
Eine für die Sinnesart der Zeitschr bezeichncnde Neuerung ist es, daß die Krypta 
fehlt. Man wollte jekit alles licht und heiter haben und fand keinen Gefallen mehr an 
jenen dunklen Räumen. Der Chor liegt daher nicht mehr wesentlich höher als das Schiff
        

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