Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-109825
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Der romanische 
Stil. 
Gruppen zierlicher Bogenösfnungen geschmückt, oben von einem durch Blendbogen belebten, 
zeltartig überdachten Aufsatz C,,LaterneUJ bekrönt. In den Winkeln zwischen den Kreuz: 
flügeln steigen schlanke Türme empor, unterhalb rund und in derselben Weise ausgesehn1iickt 
wie die Apsiden, oberhalb achteckig; die acht Seiten endigen in SpiHgiebel, von denen 
aus sich das spitze Turmdach mit acht gleichsam in Falten eingezogenen Flächen erhebt. 
Vervollständigt wird die Wirkung dieses Aufbaues durch den alles überragenden mächtigen 
viereckigen Turm der Westseite, dessen Wände gleichfalls in Giebeln endigen CAbb. 127J.  
Die Martinskirche besitzt keinen Westturm, dafür aber erhebt sich ein gewaltiger viereckiger 
Turm über der Vierungskuppel; derselbe ist außer mit Lisenen und Rundbogenfries mit 
einer Zwerggalerie gesehmüct, die ihn aber nicht unter dem Dache, sondern mit allzu: 
verwegener Durchbrechung der Mauermasse in halber Höhe umzieht. An seinen Ecken 
schießen schlanke Türn1chen empor; auch diese sind in ihren Unterteilen, welche hier vier: 
eckig sind, mit den drei Chorrundungen durch gleichartigen Schmuck gleichsam zusammen 
gebunden; in ihren achteikigen Oberteilen steigen sie vielgeschossig bis weit über die 
Mauerhöhe des Hauptturmes hinauf, der sie dann wiederum vermittelst seines hohen 
spiHen Daches überragt. 
Die eigentlich bedeutsamen Neuerungen der Zeit kommen in diesen beiden 
Kirchen nur noch spärlich zur Geltung. In beiden finden sich noch Würfel: 
kapitäle, die sonst in der spätromanischen Epoche durchgehends von kelchartigen 
Bildungeu verdrängt wurden. In der Martinskirche zeigen die Wölbungen 
schön gegliederte Kreuzrippen, sind dabei aber noch im Rundbogen ausgeführt. 
Der SpiHbogen kommt in der Apostelkirche nur in ganz nebensächlicher Ver: 
wendu11g als Schmuckform vor, in der Martinskirche erscheint er in den zierlichen, 
auf gekoppelten Säulchen ruhenden Arkaden eines schmalen Ganges, welcher sich 
innerhalb der Mauerstärke über den Schiffsarkaden hinzieht und durch seine 
Bogenreihe in einer jeHt sehr beliebten Weise die Mittelschiffwand belebt; außer: 
dem ist hier das reich igeschmückte Westportal schon spiHbogig überwölbt. 
Eine sehr reichliche Verwendung des SitHbogens finden wir dagegen in einer 
andern Kirche aus der Friihzeit des 13. Jahrhunderts, welche in der Choranlage 
mit jenen beiden übereinstimmt, in der St. Quirinskirche zu Neuß CAbb. 128J, 
deren Bau im Jahre 1209 durch den Baumeister Wolbero begonnen wurde. 
Auch hier erscheint der Spit;,bogen noc; nicht da, wo seine bedeutungsvollste 
Stelle war, im Gewölbe; die Wölbungen sind alle rundbogig ausgeführt, und 
mit Ausnahme des achtseitigen Gewölbes der Vierungsknppel entbehren sie auch 
der Rippen. Aber in.den Arkaden des Jnnern herrscht der Spitz,bogen, sowohl 
in den Reihen der Scheidbogen als auch in den kleineren Arkaden der 
Emporen, welche über den Seitenschiffen angebracht sind, und welche in einem 
Umgauge, der sich durch die drei abgerundeten Chorarme herumzieht, ihre Fort: 
setzung finden. Man sieht, wie hier der Spit;,bogen, der auch an diesen Stellen 
noch mit vereinzelten Rundbogen untermischt ist, noch lediglich um seiner Form 
willen als anregende Neuerung Beifall nnd Aufnahme gefunden hat. Dem: 
gemäß erscheint er auch in den Fenstern und in dem Außenschmuck in reichlicher 
Verwendung und zwar in bunter Mischung mit allen andern damals gebränch: 
lichen, zum Teil recht seltsamen Bogenformen, von denen die Kirche eine wahre 
Musterkarte bietet. Die äußere Ausstattung derselben, namentlich an dem von
        

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