Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-109798
spätroumnifche 
Die 
und 
Baukunst 
Übergangsstil. 
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welcher der Spitzbogen auch in den Schiffsarkaden schon angewendet wurde. Es 
ist die Stistskirche St. Peter in der damals zu Mainz gehörigen hes.sischen 
Stadt Friglar. Hier sind die einzelnen Gewölbefelder durch Gnrtbogen ein: 
geschlossen und außerdem an den Nähten mit Rippen unterlegt. Die Pfeiler: 
verstärknngen sind, der vermehrten Zahl der von ihnen entspringenden Gattungen 
entsprechend, 1nehrgliedrig gebildet, und damit das Aussehu der Pfeiler nicht 
allzu unebeumäßig werde, sind dieselben auch auf der Rückseite in ähnlicher 
Weise entwickelt, obgleich hier die noch in altertiimlicher Weise ausgeführten 
Nebenschiffwölbnngen strenggenommen keine derartigen Bildungen erforderten. 
Die Zwischenpfeiler sind durch eine viel geringere Stärke von den Hauptpfeilern 
scharf unterschieden, aber um in der Gestalt mit diesen nicht zu sehr in Miß: 
klang zu stehen, sind auch sie mit Vorlagen, welche allerdings nichts zu tragen 
haben, versehen. Eine charakteristische Neuerung der Zeit finden wir ferner im 
Chorschluß. Mit dem Rippengewölbe des Schiffs hätte eine schlichte Halbkuppel 
in der Chornische schlecht übereingestimmt; darum wurde auch deren Gewölbe aus 
einer Anzahl von Kappen zusammengeseht, welche nach einem gemeinschaftlichen 
Mittelpunkt hinter dem Trennnngsbogen zwischen Apsis und Chorquadrat empor: 
stiegen und durch Gurte gefestigt und voneinander geschieden wurden. Auch 
diese Gurte bedurften besonderer Träger, die nun in Ubereinstimmung.mit den 
Gurtträgern des Schiffs aus Pilastern und Halbsäuleu gebildet wurden. So 
wurde die Wand der Apsis in mehrere Abteilungen zerlegt, und es ergab sich 
hieraus fast von selbst, daß dieselbe nicht mehr im Halbkreis, sondern viel: 
winkelig angelegt wurde, indem die einzelnen Gurtträger nicht durch gebogene, 
sondern durch gerade Wände miteinander verbunden wurden. 
Die Gestalt der Hauptpseiler ist in der Stistslirche zu Frit;lar schon sehr reich. 
Sie bestehen aus einem breiten länglich rechteckigen Kern mit einer Pilastervorlage nach 
dem Mittelschifs zu, an die sich dann ein zweiter, etwas schmalerer, mit einem Bündel 
von drei .Halbscinlen beset3ter Pilaster anschließt, der über dein gemeinschaftlichen Kapitäl 
der Pfeilermasse zum Gewölbe emporsteigt; an der Nebenschiffseite ist ein ebensolcher 
Pilaster mit drei Halbsäulen angelegt. Die Zwischenpfeiler haben eine qnadratisthe 
Grundform und sind aus allen vier Seiten mit Halbsänlen besetzt. 
Die Bogen der Arkadeu und der Hauptgurte sind noch völlig ungegliedert. Auch 
die diagoualen Gurtungen haben im Mittelschisf die denkbar einfachste Form von schmuck: 
losen glatten Bogen erhalten, die sich wie flache Bänder an das Gewölbe legen. Diese 
einfache, im O.uerdurchschnitt rechteckige Form, welche bei den aus viereckigen Pilastern 
hervorgehenden Gnrtbogen ebenso wie bei den aus dem schlichten viereckigen Pfeilerkern 
hervorwachsenden Scheidbogen ganz naturgemäß, gewissern1af3en selbstverständlich war, wirkte 
bei den Diagoualripven, wo sie sich keiner andern Bildung harmonisch anschloß, sehr 
uugesälIig; die Baukiinstler sannen daher alsbald darauf, den Rippen anstatt des ,,Baud: 
profilsU eine belebtere und für ihren PlaH, der ja die Durchschneidungskanten der Ge: 
1völbe bezeichnete, passendere Gestalt zu geben. Derartigen Versuchen begegnen wir in 
den östlichen Teilen der Kirche: im Gewölbe der Viernng ist dem Band eine im Durch: 
schnitt dreieckige Kante, im Chorquadrat ein Rundstab untergclegt. In der Wölbung 
der Apsis sind die Gurtbäuder mit in den Ecken eingesetzten Rundstiiben verziert. 
Die Baumeister der FriHlarer Stiftskirche dachten noch nicht daran, die 
Erleichterung des Gewölbes, welche durch das Rippengesiige ermöglicht wurde,
        

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