Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107899
der 
Ku11stthätigkeit 
Die 
unterworfenen römischen Gebieten. 
germanischen Stämme in 
einige schähbare Nachrichten über die Holzarchitektur der Goten; denn nur diesen, deren 
Sprache auch am Hofe des Völkerbezwingers neben der hunnischen die gebräuchlichste 
war, kann man die Erbauung der Burg Attilas zuschreiben, da das wilde Noniadenvolk 
der Hunnen, welches sich bei seinem Einbruch in Europa auf einer überaus niedrigen 
Kulturstufe befand, gewiß keine eigne Baukunst aus den Steppen Hochasiens mitgebracht 
hatte. Die stattlichen Häuser Attilas lagen, wie der Gesandte erzählt, innerhalb eines 
hölzernen, mit Türmen gezierten Zaunes, der nicht zur Sicherheit, sondern zum Schmuck 
angefertigt war. Das Bauholz war aus entlegenen Gegenden in die baumlose Tiesebeue 
herbeigeschasst worden. Die vielen Gebäude, welche der Zaun einschloß, bestanden teils 
ans geschniHten und zierlich zusammengefügten Brettern, teils aus geglätteten geraden 
Balken mit ausgelegten, kreisförmig gebogenen Holzstückcn. Die nähere Beschreibung 
dieser Verzierungen der Balkenwände ist leider sehr unklar; aber es liegt nahe, hier an 
ähnliche regcllos verschlungene Gebilde zu denken, wie sie sich auf den Schmuckgeräten 
der germanischen Völker zeigen; daß durch derartige SchniHereien bei den nordischen 
Stämmen die Holzbauten geschmückt wurden, beweist die Stelle eines alten angelsächsischen 
Gedirhts, wo ein Prunksaal mit den Worten geschildert wird: ,,wunderhohe Wände, von 
 Drachenbildern schillerndU Cdieses Beiwort ist dasselbe, das an andrer Stelle von den 
Verziernngen eines Schwertgriffes gebraucht wirdJ, beweisen noch deutlicher einige er: 
haltene Thüren und Betstühle alter skandinavischer Kirchen, die ganz jenes phantastische 
Schlangeugewirre zeigen wie die metalIenen Gräberfunde. 
Auch römische Baukunst wurde am Herrschersitz Attilas geübt; der Gesandte sah 
 ein steinernes Bad, welches ein am Hofe des Hunnen einflnßreicher Germane, dessen 
Holzburg der des Königs ähnlich war, durch einen kriegsgefangenen Baumeister aus 
Sirmium hatte errichten lassen. 
Als nach dem Tode Attilas das nur durch die Macht dieser gewaltigen 
Persönlichkeit zusammengehaltene Hunnenreich zersiel, traten die Ostgoten in 
freundschaftliche Beziehungen zum Kaiserhofe von Konstantinopel; dort wurde 
des Königs Theodon1ir Sohn Theodorich erzogen und lernte Kultur und Staats: 
Wesen des oströmischen Reiches kennen. Dieser war es, der von sämtlichen 
Stummen der Ostgoten zum König erwählt, mit Einwilligung des Kaisers 
Zeno sein Volk über die Alpen führte und der Herrschaft des Soldatenkönigs 
OndDFIker ein Ende machte. So kam im Jahre 493 Italien, das Herz der West: 
WIZ11schen Welt, in den Besitz des gebildetstcn Stammes der Germanen, an 
destSt1 Spitze ein Fürst stand, der mit jugendlich nordischer Heldenkraft griechische 
Bildung verband, der, gleich gewaltig als Kriegsherr wie als Friedenssürst, 
Noth viele Jahrhunderte hindurch als ,,Dietrich von Berntt im Liede der Sänger 
VVU Italien bis nach Jsland gefeiert ward. Der große Gote hatte einen leb: 
haften Sinn für die Schönheit und Bedeutung der Kunst, deren Denkmale ihm 
UT seinem neuen Reiche mit so machtvoller Großartigkeit entgegentraten, 11nd er 
Verwandte große Summen sowohl auf die Wiederherstellung der alten Bauwerke 
IS Auch aus die Errichtung prächtiger Neubauten besonders in seiner Hauptstadt 
clVcI1Ncl.  
Die Verordnungen Theodorichs enthalten zahlreiche Belege für sein reges Jnteresfe 
Und seine fördernde Thätigkeit auf künstlerischem Gebiet. ,,Dies ist das Bestreben unserer 
Freigebigkeit,U heißt es in einem seiner Erlasse, ,,dafz wir sowohl die Bauten der Alten 
unter Beseitigung der Schaden wiederherstellen, als auch Cfür muss den Ruhm des Alter: 
tums erneuen.H Als er im Jahre 500 Rom besuchte, verweilte er lange bei der Bei 
tkc1xhtu11g der erhabenen.Prachtgebände, über die das ablaufende Jahrhundert so manches
        

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