Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-109247
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Der 
romanifche 
Stil. 
Rankenwerk in deren Ztvickeln. So ist der ganze Kelch mit Schmucktverk bedeckt, welches 
durch die geschmackvolle Abwechselung zwischen den kleinen krausenSchnörkeln der juwelen: 
beseHten Flächen und den breiteren vollen Formen der getriebenen Gebilde von höchstem 
Reiz ist LAbb. 9:3J. 
Die zu diesem Kelch gehörige Patene ist mit gleichem Reichtum sin entsprechender 
Weise geschmückt und zeigt in der Mitte das gravierte Bild des thronenden Erlösers. 
Kreuze und Reliquiengehäuse sollen nach Theophilus gleichfalls mit Edel: 
steinen, Perlen und Schmelzwerk geziert werden. Zahlreiche erhaltene Werke legen 
Zeugnis ab Von dem stofflichen Aufwand, der bei derartigen Gegenständen entfaltet 
wurde, und zugleich von den Fortschritten des Geschmacks, der durch die Kunst 
den Stoffwert zu überbieten suchte. Die größeren Flächen boten hier Ge: 
legenheit zu reichlicher Entfaltung des üppig rankenden Filigranschmuckes, in 
welchem namentlich die rheinischen Goldschmiede Ausgezeichnetes leisteten. Die 
Reliquienbehälter erhielten die mannigfaltigste Gestalt; bisweilen wurden die: 
selben als Büsten, Arme oder Füße gebildet, den in ihnen anfbewahrten Körper: 
teilen der Heiligen entsprechend. 
Die Bilder an den Kreuzen und Reliquienbehältern, seien sie nun aus 
Gold, Silber oder Kupfer, sollen getrieben und ciseliert werden; auf dieselbe 
Art werden nach der Vorschrift der ,,SchedulaU Messergriffe, silberne und goldne 
Becher und Schüsseln, Hostienbüchsen, Behälter von Wohlgerüchen und Meß: 
kännchen geschmückt. Bei diesen Gefäßen sollen niellierte Verzierungen mit den 
getriebenen abwechseln. Theophilus macht bei dieser Gelegenheit darauf auf: 
merksam, daß der Künstler es nicht versäumen solle, sich vorher einen ausgeführten 
Entwurf in Modelliermasse anzufertigen, wenn er Bilder, Tiere oder Blumen 
mit dem Hammer treiben wolle.  
Sehr ausführlich und anschaulich beschreibt er ferner zwei Weihrauchfässer, 
von denen das eine in Gold, Silber oder Kupfer getrieben, das andre aus 
Messing gegossen werden soll. Das erstere besteht in seinem Oberteil aus einer 
in dreifacher Abstufung aufgebauten Turn1gruppe, durch deren Fenster der 
Rauch seinen Ausweg findet. Dieser Teil, der Deckel, ist an den breiten unteren 
Tiirmchen mit Halbfiguren von Engeln, nnd in halbkreisförmigen Flächen über 
dem unteren Rande mit den Bildern der Evangelisten oder der lebenden Wesen, 
welche dieselben versinnbildlichen, geschmückt. Der Unterteil enthält in Halb: 
kreisen, welche sich jenen oberen anschließen, die Bilder der Paradiesesströ1ne. 
Außerdem ist der Unterteil in Ubereinstitn1nung mit der Rosette, in welcher die 
Ketten zusammenkommen, und welche den Ring zum Anfassen aufnimmt, mit 
Blumen, kleinen Vögeln oder Tieren verziert. Von den Ketten, deren Anfertigung 
besonders beschrieben wird, ist die mittelste, welche zum. Emporziehn des Deckels 
dient, am Knopf des oberen Ttirmchens befestigt, die vier andern an Löwen: 
oder Menfchenköpfen, welcheszwischen den aus den oberen und den unteren 
Halbkreisen gebildeten Rundfeldern derartig angebracht sind, daß die Gesichter 
dem Unterteil, die Haare, durch welche die Ketten durchlaufen, dem Oberteil des 
Rauchfasses angehören.  Das Muster eines gegossenen Rauchfasses, welches 
beschrieben wird, ist noch viel reicher. Der obere Teil desselben besteht aus
        

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