Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Kunstgeschichte
Person:
Knackfuß, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107379
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-107849
Die 
Kunst. 
deutschen 
Anfänge 
können, zu allumfasseud, um in Tempeln zu wohnen. Jm Schatten des ge: 
heimnisvoll rauschenden Laubdachs der Wälder, unter uralten Bäumen auf 
Bergeshöhen verehrten sie die unsichtbaren, nur vom frommen Glauben erschauten 
Walter der Welt; hier brachten sie ihre Opfer dar, hier hängten sie die vor: 
züglichsten Beutestücke auf als Anteil der Uberirdischen, die den Sieg verliehen 
hatten, hier wurden auch die eignen Feldzeichen aufbewahrt. Ein einfaches 
Gehege, ein von Stab zu Stab gezogener Faden genügte um als ,,Umfriedung0 
die Stätte des Friedens, den geweihten Ort zu bezeichnen, den seine eigne 
Heiligkeit vor jedem Frevel schütz,te. 
Es fehlte somit jede Veranlassung, die auch nur das Streben nach Aus: 
übung höherer Kunst hätte erzeugen können; demnach mußte sich die Bethätigung 
des Schönheitssin11es auf den Schmuck der menschlichen Wohnung, des Ge: 
rätes und der eignen Gestalt beschränken. Die hölzernen strohgedeckten Häuser 
der Germanen bezeichnet Tacitus als häßlich und unfreundlich, doch erschien 
der gemusterte Anstrich in reinen Erdfarben, welcher dieselben an einzelnen 
Stellen schmückte, dem Auge des Römers nicht ungesällig. Mit bunten Farben 
bemalten auch die Krieger ihre großen hölzernen Schilde, und wir können uns 
nach den zahlreichen Abbildungen solcher Schutz,waffen auf römischen Triumphal: 
denkmälern eine gewiß annähernd richtige Vorstellung wenigstens von dem 
Formengepräge dieser Bemalungen machen: von dem metallenen Buckel im 
Mittelpunkte des Schildes aus laufen gerade und gekrümmte Linien in 
durchaus gleichmäßiger Anordnung nach zwei oder vier Seiten hin. Noch in 
späterer Zeit, als Metallbeschläge an Stelle des farbigen Schmuckes getreten 
waren, scheint man die Grundzüge der alten Verzierungsformen beibehalten zu 
haben; wenigstens ist die Ahnlichkeit der 
 H.  z, zierlichen Beschläge alterRundschilde,welche 
X   in nordischen Sammlungen aufbewahrt 
   Eis, werden, mit den Ornamenten der auf der 
  CI SsgeggssäuleGdes Mi1frc;uls,gsAurelihusc,fab: 
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X Grade iidekkeseheud CAod. 2;. Aue, die 
Ade 2 Sehne von der Auke1iussäure in Rom Tierbilder7 Welche als FeldHeichen Unten, 
  sehen wir auf den römischen S1eges: 
monumenten abgebildet, vorwiegend Eber, 
die dem Sonnengott heiligen Tiere, wobei es freilich fraglich ist, ob sie in 
Wirklichkeit so natürlich dargestellt waren, wie sie in der Wiedergabe durch die 
römischen Bildhauer erscheinen; die kleinen Figijrchen wenigstens von Ebern und 
andern Tieren CAbb. 3J, welche als Schmuck dienten und in ziemlicher Anzahl 
ausgegraben worden sind, erscheinen wesentlich plumper. 
Die ältesten erhaltenen Zeugen germanischer Verzierungskunst sind die 
Thongefäße, welche sich in großer Menge in den Begräbnisstätten finden, teils 
als Aschenurnen zur Ausnahme der Reste des verbrannten Leichnams, teils als 
Beigaben, in sy1nbolischer Beziehung auf den Totenkultus oder als liebgewesenes
        

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