Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-97730
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-104345
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Die Pflanzftadt 
des Histlaeos. 
Histiaeos hatte sich an der Donaubrüeke durch die Rettung 
des Dareios ein schli1nmes Verdienst um die Hellenen erworben. 
Als der große König ihm seinen Dank zu bezeigen wünschte, hatte 
er um die Erlaubniß gebeten, eine Kolonie von Milet nach der 
thrakischen Küste führen zu dürfen, nnd diese erhalten. An dieser 
Küste, an welcher Milet bisher keine Stationen besessen, in einem 
Gebiete, welches bereits den Peisistratiden von Athen zur Zeit ihs 
rer Herrschaft gute Einnahmen geliefert, hatte er einen trefflichen 
Punkt zu einer Pflanzstadt ausersehen. Nicht weit von der Müni 
dung des Strh1nou, landeinwärts im Gebiete des thrakischen Stamss 
mes der Edoner, an einem großen Landsee sollte die neue Stadt, 
Mhrkiuos, erbaut werden. Es war eine Gebirgsgegend, welche an 
Schisfbauholz überaus reich war; auf dem Angites und dem Stry: 
mon, welche jenen See durchströmeu, konnten die Stämme herab: 
geflößt werden; fiidwärts lagen die reichen Goldgruben des Pan: 
gaeois. Durch den Stryn1on war man in Verbindung mit dem 
Meere, während man doch von der See keinen Angriff zu befahren 
hatte. Histiaeossbetrieb die Gründung eifrig, war selbst dort und 
,ließ fleißig an der Befestigung der Stadt arbeiten; man mußte 
gegen die Raubanfälle der Thraker gesichert sein. Alles war im 
besten Gange, als der Perser Megabazos, der das Heer des Da: 
reios durch Thrakien nach dem Bosporos geführt nnd die Gegend 
am Strhmon aus eigener Anschauung kannte,. den König aufmerki 
sam machte, welche Gefahren daraus entspringen könnten, wenn 
ein hellenifcher Mann, der bereits an der Spitze einer so bedeusss 
tenden Stadt wie Milet stehe, eine zweite Stadt und, auf die 
Mittel Milets nnd die reichen Hiilfsquellen jenes Gebiets gestützt, 
bald ein Fürstenthum außerhalb der Grenzen, außerhalb des Be: 
reiches der persischen Macht erwerbe.  Nicht einmal den Flotten 
des Königs sei die neue Stadt des Histiaeos erreichbar. Sobald 
Histiaeos dort festen Fuß und damit eine freie Stellung gewonnen 
habe, nöthige ihn nichts in Milet zu gehorchen oder Milet in Ges 
horsam zu halten. Dareios beschloß die Pläne des Hiftiaeos zu 
krenzen nnd ihn unschädlich zu machen. Damit er sich nicht etwa 
in Mhrkinos den Befehlen des Königs entzöge oder in Milet Wi: 
derstand versuche, sollte dies in der Weise orientalischer Nei 
gierungskunst unter dem Scheine hoher Gunst geschehen. Hi; 
stiaeos erhielt eine Botschaft des Dareios: ,,da er durch Wort 
und That bewiesen, wie treu er es mit Persien meine, und der
        

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