Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-97730
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-101020
280 
Gericht der Unterwelt. 
Das 
rer Gunst ab, von der Verehrung, welche man ihnen auf der Erde 
gewidmet, von der Frömmigkeit und Gerechtigkeit, in welcher man 
auf Erden gewandelt war. So wurde die Vorstellung von einem 
durchgreifenden Gericht in der Unterwelt über die Seelen all1nähi 
lig ausgebildet II. Aber es war nicht der Gott der Unterwelt, wie 
bei den Indern, es war nicht der Gott des Himmels, wie bei den 
Jraniern, es war nicht wie bei den Aeghptern der Gott des wies 
derkehrenden Lebens, welcher nach der Vorstellung, die bei den 
Griechen vorherrschend wurde, dies Gericht hielt. In der Odhssee 
spricht Minos, das goldene Zepter in der Hand, den Todten Recht. 
Es war damit kein Gericht über die Todten gemeint I; Minos 
fchlichtet beim Homer die Streitigkeiten, die sich zwischen den 
Schattenbildern dort unten im weiten Hause des Hades erhoben. 
Die Todten suchen bei ihm Recht und Entscheidung; er setzt dort 
die Thätigkeit seines Lebens fort. Wir haben gesehen, daß Minos 
den Griechen nicht blos der Ausdruck und die Personifikatiou der 
phoenikischen Seeherrsdhaft im aegaeischen Meere, die ihren Mit: 
telpunkt in Kreta hatte, sondern auch der Vertreter des gesetz; 
lich wohl geordneten, des civilisirten Lebens der phoenikischen 
Städte auf Kreta war, daß er ihnen deshalb als ein großer Ge: 
setzgeber und Richter erschien, das; Minos ihnen dann auch der 
Gott Melkarth, der Träger des wechselnden Lebens und Sters 
bens dieses Gottes war. Homer konnte den Minos deshalb in 
der Unterwelt leicht Recht und Gesetz handhaben lassen, wiihi 
rend sein Bruder, der blonde d. h. der lichte Rhadamanthhs, die 
fortlebende Seite des Minos, auf dem Gefilde Elhsion weilt I. 
Auf Homers Vorgang fns;end, machte man nun. den Minos zum 
Richter nicht unter, sondern über die Todten nnd gab ihm seinen 
Bruder Rhadamanthys in diesem Geschäfte zum Gehülfen bei. 
Minos hatte ihn natürlich in der Pflege der Gerechtigkeit unter: 
wiefen, er war ein sehr gerechter König gewesen I. Diesen wurde 
als dritter Aeakos beigesetzt, der Vater des Peleus und des Tei 
lamon, den die.nachhomerische Sage zu dem frommen und weisen, 
vom Zeus begnadigten König von AegIna gemacht hatte U. Die 
O Vgl. S0ph0cl. Antig. v. 45l.  2J 11, 568.  3J 0dyssea 4. v. 
564. Der Name Rhadamanthys scheint von einem kretisck;en Stamme, den 
in der Seefahrrvielerfahrenen Rhadan1ancn, hergenommen zuse1n; Nenn. Dionys. 
21, 304 fIgde.  4J Plat0n. Minos F. 320.  5J Bd. Z, S. 289.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.