Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-97730
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-100804
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Besinnung. 
Die 
gehen, die Weiber derselben folgen sollten J. Eine Musik von 
Blasinstrumenten eröffnete den Zug. Unter den klagenden Tös 
neu der phrygischen Flöte und den Trauergefängen, welche 
diese begleitete, setzte er sich in Bewegung J; hinter den in ihre 
Trauerkleider gehüllten Männern folgte die Bahre, welche mit 
Kränzen, Binden und Blumen iibers6hiittet war. War der Todte 
durch Mord umgeko1nmeu, so wurde eine Lanze als Zeichen der 
Blutrache vorangetragensJ. Nach Solons Gesetz sollte bei der 
Bestattung nicht mehr wie bisher ein schwarzer Stier den unter: 
irdischen Gottheiten als Todteuopfer für die Seele des Erschlage: 
neu, sondern nur ein kleineres Thier dargebracht werden J. Das 
gegen bestimmte Solon, daß die, welche im Kriege fiir das Va: 
terland gefallen seien, auf öffentliche Kosten unter Ehrenbezeu: 
gungen der Gemeinde bestattet werden, daß ihre Söhne bis 
zum zwanzigsten Jahre auf Kosten des Staates aufgezogen 
und unterrichtet werden sollten. Seitdem wurden die Leichen der 
Gefallenen an Ort und Stelle verbrannt, die Gebeine aber nach 
Athen geschafft. Hier wurden dieselben drei Tage lang unter 
Zelteu ausgestellt, damit die Angehörigen sie beweinen könnten. 
Dann wurde die Asche der Todten jedes Stanunes für sich 
in großen Khpressenbehältern auf vier Wagen, denen die Weiber 
laut klagend folgten, hinansgeführt zur Bestattuug. Der Reds 
net welcher, von den Behörden bezeichnet, die Leichenrede zu halten 
hatte, bestieg eine Bühne den Särgen gegenüber; er war von den 
Verwandten der Gebliebenen umgeben. Durch Solon oder erst nach 
ihm wurde bestimmt, daß die Begräbnißstätte für alle im Kriege 
gefallenen Athener der äußere Kerameikos sein solle. Für die Leii 
chen, welche nicht aufgefunden waren, wurde ein leeres Ruhebett 
hinausgetragen und ein Kenotaphion errichtet. Solon soll seinem 
GeseS gemäß die erste Leichenrede für gefallene Vertheidiger des 
Vaterlandes gehalten haben H.  
Die Begräbnißstätten lagen sämmtlich außerhalb der Thore; 
erst in späterer Zeit ward das Begräbniß innerhalb der Stadt 
O Demostl1en. in Maca1st. P. 1071. Platon. legg. 12. P. 959.  
2JHermann Privatalterthümer Z.39.  Z; lJem0stl1en. aclv. Mnesj1J. P. 1160. 
Bd. Z, S. 519.  4J Plut. Solon c. 20.  5j Herod. 1, 30. Diogen. 
Laert. 1, 56. Thutyd. 2, 35. und die Scholien. Diod. Sie. l1, 33. und 
Dionys. Hat. 5, 17, behaupten freilich, daß die Ehrcnbezeugung der Grabs 
rede erst nach dem perfischen Kriege eingeführt sei; vgl. indes; Flaum. Menexen. 
P. US.
        

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