Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-97730
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-100561
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Das 
Straft0CHts 
Zeugniß, Jnjurien gegen die Beamten im Amte, Verletzung der 
Pietät gegen die Eltern, Verschwendung des Vatererbes, Unzucht 
und Prostitution II. Auch auf einfachen Diebstahl stand keine här: 
tere Strafe als Eutziehung des Biirgerrechts, vorausgesetzt daß 
der Dieb im Stande war, den doppelten Ersatz des gestohlenen 
Gutes zu leisten J. Bei geringeren Vergehen trat nur eine theils 
weise Entziehung des Bürgerrechts d. h. der Verlust gewisser Rechte 
ein, z. B. öffentliche Klagen anzustellen, in der Volksversammlung 
zu reden u. a. Die gangbarsten Strafen im solonischen Gesetz 
sind Geldbußen, deren Nichterlegung die Einkerkerung herbeiführt. 
Selbst nach dem Tode des Verurtheilten liegt es seiner Familie ob, 
die zuerkannte Buße zu zahlen. Auch Verläumdnngen wurden durch 
Geldbnßen geahndet. Wer einen Bürger fälschlich beschuldigte den 
Schild weggeworfen zu haben, sollte 500 Drachmen Buße zahlen, 
wer einen Bürger bei einem öffentlichen Opfer, vor dem Archonten 
oder vor den Richtern mit einem Schimpfnamen belegte, sollte dem 
Staate zwei, dem Beleidigten drei Drachmen zur Strafe zahlen II. 
Das attische Familien: und Erbrecht hatte den Gesetzen So: 
lons nicht unerhebliche Fortschritte zu verdanken. Niemals hatte 
ein Gesetz den attischen Adel verhindert, Ehen mit Töchtern der 
anderen Stände zu schließen; der Stolz des Edelmanns hatte folg 
che Verbindungen verschmäht. Jndem Solon den nicht adligen 
Grundbesitzern den Zugang zu den höchsten Würden des Staates 
eröffnete, mußte die scharfe Trennung der Stände auch in dies 
ser Beziehung sich allmählig mildern. Solons Eherecht legte 
auch sonst kein ängstliches Gewicht auf die Reinheit des Blutes. 
Wie er mit einer bis dahin den hellenischen Gemeinden unbekanns 
ten Liberalität die Aufnahme fremder Familien unter gewissen Bei 
dingungen in das attische Bürgerrecht erlaubte, so gestattete er 
auch die Ehe eines Bürgers mit einer Nichtbürgerin, ohne daß den 
Kindern einer solchen Ehe darum ihr Bürgerrecht verkürzt worden 
wäre. Nur im Erbrechte waren sie in dem Falle benachtheiligt, 
wenn aus einer früheren oder späteren Ehe des Vaters vollbür: 
tige Kinder vorhanden waren. Hinterließ der Vater vollbür: 
tige Söhne, so wurden die halbbürtigen mit tausend Drachmen 
1J Diogcn. Laekt.1, 55. Aeschin. in ctosiph. P. 565. 566. in Tis 
marchnm 45.  2J Platon. legg. P. 857. 941. Cato de re rast. pro0em. 
Gelljus 11,18. of. Dc:mosthen. in Timocr. p. 7Z5.  3J Flut. Solon. 
c. 21. l.ysias c. Theomn. 1, p. 354.
        

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