Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-87765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-96620
Jeremia8 
predigt U11terwerfung. 
831 
Dem Jeremias waren die Chaldaeer wie einst dem Jesaias die 
Assyrer, das Werkzeug Jehova7s, die Völker zuizüchtigen; ihre Herr: 
schaft zu tragen war nach feiner Anschauung Jehova7s Wille, wer 
sich den Chaldaeern widersetzte, ladete sich nur ein härteres Joch auf, 
rief das Verderben vollends über sich herab. Und wenn Jesaias 
wenigstens den Glauben an das Fortbestehen Jerusalems nnd des 
Tempels festgehalten hatte, so theilte, wie wir sahen, Jeremias auch 
diese Hoffnung nicht. Er predigte deshalb unaufhörlich Fügsamkeit 
in das Joch nnd leidenden Gehorsam, er war unermüdlich dem Volke 
jede Aussicht auf Rettung zu entreißen, er ermahnte durch Send: 
schreiben die nach Babhlonien verpflanzteu Juden, sich nicht in Vers 
schwörungen einzulassen, er ging so weit, das Loos dieser Weggefiihr: 
ten glücklich zu preisen, er forderte sie auf, Häuser in Babel zu 
bauen nnd für das Wohl Babels zu Jehova zu beten1J. Aber wenn 
demnach oben gerichteten Blick des Propheten die realen Jnteressen 
und Bestrebungen seines Volkes fremd geworden, wenn ihm das na: 
tionale Bewußtsein in der religiösen Anschauung untergegangen war 
 der Trieb des Volkes, seine selbständige Existenz wieder zu ges 
winnen, die hartnäckige Ansdauer, mit welcher die Juden bereit waren, 
für ihr Vaterland zu kämpfen, das Joch des Auslandes zu brechen, 
waren keineswegs minder berechtigt als die verständige Erwägung 
der Unmöglichkeit solchen Beginnens, als der von den realen Dingen 
absehende, hoch genommene religiöse Standpunkt des Jeremias. 
Wer wollte diejenigen tadeln, welche die Pflicht, auch in der hoffnungs: 
losesten,s verzweifeltesten Lage das Leben für ihr Land hinzugeben, höher 
anschlagen als den Rath, sich dem Mächtigen gehorsam zu fiigenP 
Wer möchte einen Vorwurf gegen diejenigen erheben, welchen dieses 
Auftreten des Jeremias als ein verderbliches Treiben erschien, welche 
verlangten, daß Jeremias auf der Seite seines Volkes gegen das 
Ausland stehe, welche die Predigten des Jere1nias als staatsverräthe: 
rische Umtriebe brandmarktenP 
Es konnte nicht fehlen, daß schwere Anklagen und hestige Ver; 
folgnngen gegen Jeremias ansbrachen. Er beschwert sich bitter, wie 
er täglich verspottet und angegeben werde2J, er verzweifelt nnd be: 
klagt sein Lords, er erzählt, wie er wol daran gedacht, gar nicht mehr 
in Jehova7s Namen zu reden, aber die innere Stimme habe ihn ges 
Jerem. 
Vgl. 
24s 
4 fk8de. 
20s
        

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