Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-80895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-82133
Ariadne. 
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daß man in Athen für alte agrarische Gebräuche und Feste eine 
historische Anknüpfung suchte. Die Ariadne, deren Liebe Theseus 
gewinnt, wie Jason die der Medeia; welche dein Theseus behiilslich 
ist, wie die Medeia dem Jason, ist eine auf Kreta verehrte Göttin. 
Die homerischen Gedichte deuten diese Natur der Ariadne sehr bei 
stimmt an, wenn sie angeben, daß Daedalos der Ariadne zu Knoss 
fes einen Tanzplatz erbaut, auf welchem Jünglinge nnd Jungfrauen 
den Reigen gehalten1J. Es.gehörte danach der Ariadne zu Knossos 
ein Heiligthum mit einem Platze, auf welchem Tänze zu ihrer Ehre 
gehalten wurden. Theseus sollte sie entführt haben, wie Jason die 
Medeia. Es gab ein altes Bild der Aphrodite in Delos, welches 
aus Kreta dorthin gekommen war; Theseus sollte dies Bild aus 
Kreta nach Delos gebracht haben2J. Als Theseus die Ariadne auf 
Naxos verlassen hatte, nahm sich ein Gott, Dionhsos, ihrer an. 
Die Theogonie nennt die Ariadne die Gemahlin des goldhaarigen 
Dionysos; Zeus habe sie dem Dionysos unsterblich nnd unalternd 
gemacht. Die Sage nahm keinen Anstoß, dem Gotte zuzuwenden, 
was der Held verschmäht hatteiJ. Wir wissen, daß Ariadne oder 
Ariagne, d. h. die sehr Gefallende oder die Hochheilige, als eine 
weibliche Göttin des Weins und der Baumsriichte auf Naxos Ver: 
ehrt, daß die Hochzeit des Dionysos und der Ariadne auf Naxos 
gefeiert wurde. Plutarch sagt, daß die Naxier zwei Ariadnen vers 
ehrten, die eine unter Tänzen nnd Lustbarkeiten, die andere mit 
Klagen und Traurigkeit. Es sind die beiden Momente, deren 
Wechsel wir in dem Kultus der kriegerischen Aphrodite, der Ascheras 
Astarte der Phoenikier, kennen gelernt haben, und wir wissest, wie 
weitverbreitet einst der Einfluß der Phoenikier im aegaeischen Meere 
war CBd. l. 306.J. Als freundliche Göttin der Liebe leiht die 
Ariadne dem Theseus auf Kreta ihren Schutz, nachdem derselbe vor 
seiner Abfahrt in Athen der Aphrodite einen Bock ldas Opferthier 
der AscheraJ geopfert hats; die traurige Seite ihres Kultus scheint 
der Wendung zu Grunde zu liegen, welche Homer der Geschichte 
der Ariadne giebt. Theseus habe die Ariadne mit sich genommen, 
aber die keusche und strenge Göttin, die Arte1nis, habe die Ariadne 
getödtet, ehe sie nach Athen gekommen5J. H 
L 
1J11ias 18, 592.  2J Paufau. 
gon. 947.  4J P1utarch Thes. .18. 
9, 40. .Plut. Thes. 
 5J 0d. 11, 321. 
3J 
Chaos
        

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