Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-80895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-86488
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Terpandros 
Sparta. 
den Muth wieder heben, und die Götter den Spartanern gnädiger 
stimmen. Es gab in jenen Zeiten keine andere Art der Einwirkung 
auf die öffentliche Meinung als die, welche die Worte, die Ermah.s 
nungen des Sängers, von den Tönen seiner Kithara unterstützt, 
ausiibten, es gab kein anderes Mittel der Erziehung und Bildung, 
als die Sprüche und Lehren des Dichters. Die Macht des Dichters 
wortes, des Gesanges, der Musik auf so empfiingliche nnd frische 
Gemüther wie die der Hellenen, war groß; die Verse Solonis iibten 
fünfzig Jahre später den mächtigsten und un1nittelbarsten Einfluß in 
Athen. Von den Spartanern eingeladen, kam Terpander im Jahre 
644 nach SpartaIJ. Es soll seinen Mahnungen gelungen sein, die 
Parteiung des Adels zu endigen. Die Macht seiner Töne zu feiern, 
erzählt die Tradition der Griechen, daß die Hadernden sich umarmt 
und unter Thränen geküßt hätten2J. Seine Choräle wurden ohne 
Zweifel eifrig gelernt und gesungen, den Zorn der Götter zu sühnen, 
und ihre Gnade der bedrängten Stadt wieder zuzuwenden, und das 
Kastoreion, d. h. das Preislied, die Anrufung der Dioskuren, der 
Schutzgötter von Sparta, welches die Hopliten sangen, nachdem der 
König vor der Schlacht geopfert und die ersten Glieder der Hopliten 
die Lanzen zum Angriff sällten, wurde nun von der Kithara Terpani 
ders begleitet. Es ertönte, wie Pindar sagt, ,,auf den aeolischen 
Saiten der siebentönigen KitharaWJ, und Alkn1an konnte nicht lange 
nach Terpander singen, daß in den Schlachten der Spartaner ,,das 
schöne Kitharaspiel dem Eisen entgegen ziehe.H Nachmals sollen die 
Spartaner auch dem Eros und den Musen vor der Schlacht geopfert 
haben, jenem, damit er die verbrüderten Kämpfer in Liebe zusammen 
stehen lasse, diesen, damit sie dem Heere Rhythmus nnd Ordnung ers 
hielten, nnd den Kämpfern die Sprache der Dichter in7s Herz riefen II. 
Die Beilegung des inneren Zwistes war ein großer Gewinn. 
Wenigstens war der Boden wieder gewonnen, von welchem dem 
Verderben Halt geboten werden konnte. Doch waren Selbstvertranen 
und Muth noch nicht wieder gewonnen, doch herrschte noch tiefe 
Niedergeschlagenheit. Wenn einige bereits verzweifelt mit den Ihren 
aus dem Lande gezogen waren, so dachten andere noch jetzt an Flucht, 
und der Erfolg hatte sich den Waffen der Spartaner noch nicht wieder 
zugewendet. Die Holzbilder der Dioskuren zogen wohl mit dem 
U Marmor. par. ep. 34.  2J Diodor bei Tzet2es hist. I, IS.  
3JPinc1ar. Pyth. 2, 127.  4J Athenaeos is. p. 561. 
        

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