Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-80895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-82895
Die 
des 
Heimkehr 
Obysseus. 
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bend auf einem Diingerhaufen an der Hofmauer lag, von. den 
troizigen Freiern mißhandelt, betrat Odysseus in den Lumpen eines 
Bettlers sein Königshaus. Am Feste des Apollon trat Penelope, 
den Bogen des Odhsseus in der Hand in die Thüre des Saales 
nnd sprach zu den schmausenden Freiern: Wer das große Geschoß 
des Odhsseus am leichtesten spannen und den Pfeil durch die Oehre 
der zwölf Axteisen schießen wird, dem werde ich folgen und dieses 
schöne und reiche Haus meines Jugendgemahles verlassen, dessen ich 
auch wol künftig und wär7s nur im Traume, gedenke. Keiner der 
Freier vermochte den Bogen zu spannen, aber Odhsseus spannte 
ihn wie ein Lautenspieler leicht eine neue Seite aufknüpft und an 
die Wirbel befestigt und schoß Von seinem Sitze aus durch die 
Oehre der Aexte. Der Wettkampf wäre vollendet, sprach er, ein 
anderes Ziel wähle ich mir jetzt, das noch kein Schütze getroffen 
hat, ob Apollen mir Ruhm gewährel So traf er den ersten der 
Freier, den Antinoos, mit dem Pfeil in die Kehle, als er eben den 
Becher zum Munde hob, unt, ruhte nicht, bis er von Telemachos 
und seinen treuen Hirten Eumaeos und Philoetios unterstützt, alle 
Freier im Saale getödtet. Penelope schlief indes; in ihrem Gemache 
so fest, wie noch nie, seitdem Odhsseus nach Ilion gezogen. Als 
die Sdhafsnerin Eurhkleia sie mit Jubelruf weckte, meinte das Weib 
des Odysseus, daß die alte Dienerin ihres Grames spotte, dann 
glaubte sie, ein Gott habe die Freier für ihren Frevel vernichtet, 
aber Odhsseus sei fern von der Hein1ath gestorben. Auch als Eurys 
kleia erzählte, wie sie den Herrn an der Narbe im Schenkel erkannt, 
von jener Wunde, die ihm einst der Zahn eines Ebers auf dem 
Parnaß geschlagen, schwankte sie noch im Herzen, ob sie den Frem: 
den erst von ferne befrage oder ihm gleich u1narmend Haupt und 
Füße küsse. So schwieg sie zögernd im Saale und setzte sich ent: 
feknt von Odysseus still nieder. Als Odysseus gebot ihm sein Lager 
zu bereiten, hieß sie die Enrykleia das Bettgeftell aus dem festen 
Gemach bringen. Wer rückte mein Lager von der Stelle, fragte 
Odhsfeus; habe ich mir doch einst den festgewurzelten Stamm des 
Oelbaums im Ehegemach zum Lagergestell gezimmert. Da lösten 
fkkh seiner Gattin Herz und Knie; denn,nur ihnen beiden war die: 
fes Zeichen bekannt. So ersehnt wie schiffbrüchigen Männern im 
Meere das Land erscheint, so war ihr der Anblick des Gatten; sie 
ließ die weißen Arme nicht von seinem Halse, und Odhsseus weinte, 
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