Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Alterthums
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-80895
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-82700
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Hektors 
Fall. 
Grimmiger Schmerz zerriß den Achilleus um den Patroklos. 
Durch Hektors Tod wollte er den Fall des Freundes rächen, wenn 
ihm auch seine göttliche Mutter verkündete, daß gleich nach Hektor7s 
Fall sein Ende bestimmt sei. Wie Schneegestöber herabstieg: unter 
dem Wehen des Nordwinds, so kamen hellschim1nernde Helme, genas 
belte Schilde, gewölbte Panzer, escheue Lanzen am Morgen aus den 
Schiffen hervor, daß die Erde vom blinkenden Erze lachte. Mit 
furchtbarem Ruf drang Achillens in die Reihen der Troer. Seine 
Rosse stampften auf Todte und Schilde; Blut bedeckte die Achse 
und die Wände des Wagens, welches die Hufe der Rosse hinauf; 
spritzten und die Beschläge der Räder. Priamos stieg von der 
Mauer herab und gebot den Wächtern, den staubbedeckten und 
durstigen Schaaren der Fliehenden das Thor zu öffnen, aber die 
Flügel in der Hand zu halten, daß Achilleus nicht mit in die Stadt 
dringe. Drinnen trockneten die erschöpsten Kämpfer den Schweiß, 
tranken und legten sich an den Brustwehren der Mauer nieder; 
Hektor allein blieb vor dem Thor, den Schild an den Thurm ge: 
lehnt. Er schämte sich vor Jlion7s Männern und Weibern, daß er 
das Heer nicht in der Nacht in die Stadt znrückgesiihrt und sei11er 
Stärke vertrauend viel Volk inis Verderben gebracht habe. Doch 
entsank ihm der Muth, als Achilleus nahte, er floh längs der 
Mauer; ein Starker voran, ein Stärkerer 7folgte. So oft Hektor 
versuchte sich zu den Thürmen und Thoren zu wenden, daß ihn die 
Seinen von oben mit Geschossen vertheidigten oder die Flügel öfsi 
sneten, so oft kam ihm Achilleus zuvor und drängte ihn abwärts; 
aber er wehrte auch, das Haupt schüttelnd, den Achaeern aus Hektor 
zu werfen. So rannten die Beiden dreimal um Prian1os Stadt. 
Endlich stand Hektor, er vermied den Lanzenwurf des Achilleus, 
indem er sich bückte, daß die Esche über ihn weg tief in die Erde 
fuhr. Aber seine eigne Lanze prallte vom Schilde des Achilleus 
zurück. Hektor zog das Schwert und sprang auf Achilleus ein; 
doch diesem hatte Athene selbst seine Lanze zurückgereicht, er stieß 
sie demsHektor in die Kehle, daß sie am Nacken herausdrang. Die 
Achaeer kamen heran und bewunderten des Todten Wuchs und edle 
Bildung, aber keiner trat zurück, ohne den Leichnam verwundet zu 
haben. Achilleus durchbohrte ihm die Füße zwischen Ferse und 
Knöchel, zog .einen Riemen hindurch, band diesen an den Sessel des 
Wagens, daß das Haupt im Staube nachschleppte und sich das
        

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