Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Arier in der alten Zeit
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-70576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-74618
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Die 
Verbrennung 
der 
Witwen. 
brennen; neben dem Leichnam des Pandu besteigt die Madri den 
Scheiterhaufen. Doch finden sich daneben auch verwittwete Köni: 
ginneu in Ehren erwähnt II. Hieraus ist zu schließen, daß die 
Opferung der Wittwen in der Zeit, welche zwischen dem Abschluß 
des iGefetzbuchs, dem Auftreten Buddha7s und der näheren Kenntniß 
der Griechen von Indien liegt d. h. zwischen den Jahren 550 
nnd 350 v. Chr. in Gebrauch gekommen nnd seitdem häufiger 
geworden sein muß. Sie war noch nicht vollständig durchgedrungen 
als das Epos zum Abschluß gelangte; doch ist es möglich, daß im 
Epos nur die Züge des älteren Brauchs nicht vollständig getilgt 
worden sind. Das Auskommen dieser Sitte hing offenbar mit den 
Vorstellungen von dem Verdienst des Opfertodes zusammen, zu wel: 
chen die Brahmanen dem Buddhismus gegenüber gelangten. Es 
war eine Konsequenz jener unbedingten Zngehörigkeit der Frau zum 
Mann, welche Mann7s Gesetze vorschrieben, des Gebotes jedes 
Schicksal freudig mit ihm zu tragen, der iiberschwenglichen Liebe 
und Aufopferung der indischen Frauen für den Gatten, die uns das 
Epos in ergreifenden Beispielen zeigt, jener Selbstvernichtnng end; 
lich, welche den Gipfel des Verdienstes nach der Lehre der Brahi 
manen ausmachte. So konnten die Brahmanen zu der Forderung 
kommen, daß die Frau als Siihnopfer für die Sünden des Mannes 
sich selbst ans seinem Scheiterhanfen neben seiner Leiche zum Opfer 
darbringe. Ihre Lehre, daß nur Die Frau in die bessere Welt ges 
lange, die mit der Leiche des Gatten verbrenne, ehe das Feuer des 
Scheiterhaufens die Seele vom Leibe getrennt habe, fand fast durch: 
greisende Anerkennung. Als Gesetz ist die Verbrennung der Witt: 
wen niemals ausgesprochen worden. Nach den Vorschriften der 
Brahmanen soll das reine und tugendhafte Weib des Dvidscha, 
nachdem sie ein Bad genommen, sich gesalbt und mit Sandel gefärbt 
und sich mit all ihrem Schmuck, vorzüglich mit Edelsteinen, angethan 
hat, gereinigte Butter oder Kugagras nnd Sesam in den Händen, 
ein Gebet zu allen Göttern verrichten. Sie soll dabei denken: ,,das 
Leben ist nichts, mein Gebieter war mir Alles.i7 Dann umgeht sie 
den Holzstoß, giebt den Brahmanen ihre Edelsteine, tröstet die Ver: 
wandten und grüßt die Freunde. Hierauf spricht sie: ,,Auf daß ich 
mit meinem Gatten des Glücks des Himmels genieße und meine 
Ahnen und die Ahnen meines Gatten heilige, daß ich von den Ap: 
Lassen ind. 
Alterth. 
639. 
Damaj. 
Nal u. 
v. Bvpp 
S. 129 
fkgd.
        

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