Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Arier in der alten Zeit
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-70576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-73446
Lage 
und 
Stimmung 
des 
Volks. 
223 
Die Lehre der Brahmanen beherrschte die Getniither. Nicht 
wenige trachteten danach das ethisch:religiöse Ideal, die Versenkung 
in das Brah1nan durch Vernichtung des Körpers mittelst qualvoller 
Bußiibungeu, die Verniihtnng der Seele durch das beständige Denken 
des Brahman zu erreichen. Die minder eisrige Menge fiigte sich 
willig dem unabsehbaren Ritual der Reinheits: und Spcisegesetze, den 
peinlichen Siihnnugen, welche die unvermeidlichen Verstöße gegen 
dieselben anszulöschen bestim1nt waren, um den schlimmen Wieder: 
gebnrten, welche jeder nngesiihnte Fehltritt dieser Art zur Folge haben 
sollte, zu entgehen. Ebenso willig und gewissenhaft wurden die 
Pflichten der Kaste erfüllt. Die Geburt in dieser oder jener Kaste 
wird als göttliche Fügung geduldig hingeno1n1nen. Die Stellung, 
welche jeder erhalten hat, das Schicksal, welches ihn trifft, Hist ihm 
eine Folge der guten oder bösen Handlungen, welche er in einein 
früheren Dasein vollbracht hat. Nimmt man zu dieser Sklaverei 
der Geburt die endlosen Gebränche m1d Siihnnugen, die Willkür 
der Rechtsspriiche, die Grausamkeit der Strafen, den Steuerdrnck 
nnd die Erpressungen, welche von den Königen nnd deren Beamten 
verübt wurden, so wird man sich den Zustand des Volks nicht leicht 
gedrückt genug vorstellen können. Einem Könige, welcher Geld vers 
langt, antworten seine beiden ersten Minister: ,,es ist mit dem Lande 
wie mit dem Sesamkorn, es giebt sein Oel nicht heraus, wenn man 
es nicht heranspres;t, heransfchneidet, herausbreunt oder heransi 
slampft EIN 
Die Brahmanen hatten Recht, die Welt war voll von Uebeln 
und Leiden. Das Schlimmste war, daß man dieser Uebel nicht ledig 
werden, auch durch den Tod nicht ledig werden konnte, das; der 
Mensch immer von Neuem wiedergeboren wird, zu immer neuem 
Leben d. h. zu immer neuen Leiden und Qualen. Die Vorstellung 
dieses endlosen Jammers lag um so härter auf dem Volke, je stät: 
ker zugleich der Druck des Kastenwefens nnd des Despotismns ge: 
worden war, je mehr dieser die natürliche Resiftenz, die eine ges 
sunde und kräftige Volksnatur solchen Anschauungen entgegengesetzt 
hätte, erschlaffen ließ, nnd die Sehnsucht nach Ruhe, welche allen 
Völkern heißer Zone eigenthüinlich ist, steigerte sich in Folge dieser 
Erfchlaffung um so höher. Während fast alle anderen Völker den 
Tod als das schlimmste der Uebel fürchten, während sie lange zu leben 
Bumouf l. 
146.
        

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