Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Arier in der alten Zeit
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-70576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-73327
Vergleichung 
der 
Systeme. 
211 
Seele und die Natur sind an die Stelle des Brahman und der Maja ges 
treten. Statt des Einen intelligenten Prinzips, welches der Vedanta 
in der Weltseele setzt, hat Kapila die Vielheit der individuellen 
Geister. Die Natur ist freilich im Vedanta nur als Illusion vors 
handelt, aber sie istdoch ein Moment, welches, wenn auch Schein, den: 
noch vorhanden und zwar in letzter Instanz im Brah1nan selbst vorhanden 
ist, welches immer von Neuem überwunden werden muß, womit 
dann auch dieses Einheitssystem im Grunde ebenfalls ein Dualismus 
ist. In der Sankhjalehre ist die Natur wirklich und materiell vor: 
handeu; aber das intelligente Prinzip hat gleichfalls zu erkennen, 
daß diese wirklich vorhandene Materie in Wahrheit doch nicht für es 
vorhanden sei, daß sie die Seele nicht binden könne. Wenn nach 
dem orthodoxen System die Illusion der Natur vernichtet werden 
soll, damit das Individuum frei in Brah1nan eingehe, so verlangt 
die Lehre Kapila7s in gleicher Weise, daß der Mensch begreife, daß 
er nicht Natur, daß der Körper nicht sein Wesen, daß er nicht 
Materie sei; sie verlangt, daß der Mensch seiner Freiheit von der 
Natur inne werde, daß er sich in seine Selbstheit zuriickziehe, wie 
der Vedanta die Versenkung in das Brahman verlangt; dadurch cui: 
zieht sich hier wie dort das Individuum dem raftlosen Umtriebe der 
Welt. Die Verkniipfung des Geistes und der Natur ist nach beiden 
Shste1nen nur Schein, dessen Macht über den Geist durch die Er: 
kenntniß aufgehoben wird. Beide gehen von der Idee eines ewigen, 
in sich beschlossenen und ruhenden, unbewegten, sich selbst geniigens 
den Seins ans, welches der Bedanta dem Brahman zuschreibt, 
der Sankhja für das Wesen der Seele erklärt. Dennoch ist ein sehr 
wesentlicher Unterschied vorhanden. Er liegt darin, daß in der Sankhjai 
lehre das geistige Prinzip nicht die göttliche Weltseele, welche Alles 
ans sich hervorgehen und wieder in sich zuriickströmen läßt, sons 
dern das individuelle Selbstbewußtsein ist, daß neben diesem und der 
materiellen Natur nichts wirklich Seiendes, keine wahre Wesenheit 
existirt. Wenn litt dem Vedauta die Befreiung die Identificirnng 
mit der Weltseele, mit der Gottheit ist, so ist die Befreiung in der 
Sankhjalehre das Zurückziehen der Seele auf sich selbst. Nach 
dem Vedanta spricht der Befreite: ich bin das Brahn1an, nach dem 
Sankhja: ich bin nicht Körper, nicht Natur II.  
In der Sicherheit der Ueberzeugung, welche die Sankhjalehre 
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Köppen 
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