Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Arier in der alten Zeit
Person:
Duncker, Maximilian Wolfgang
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-70576
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-72497
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Die 
Selbstvernichtung. 
Von dem Begriff des heiligen Geistes aus, welcher reiner Geist 
ohne jede materielle Beimischung ist, hatten die Brahmanen gefunden, 
daß es den Menschen zieme, ihre geistige Seite über die sinnliche zu 
erheben. Je reizbarer die Nerven, je empfänglicher die Sinne, je 
glühender die Leidenschaften unter diesem Himmel und in diesem Volk 
waren, desto energischer war die Reaktion des Spiritualismus gegen 
den Sensualismus, desto höher wurde die Forderung gespannt, der 
Sinne und des Körpers Herr zu werden, die Sinne zu vernichten. 
Freilich war auch die materielle Welt aus dem Brahman hervori 
gegangen; auch die stoffliche Natur war ihm entströmt. Aber sie 
war die Triibung des reinen Brahman; nur die unsinnliche Seite 
der Welt, nicht die stoffliche Seite war das reine Brahman. So 
waren den Brah1nanen diese beiden Momente, die stoffliche und 
geistige Seite, wiederum vollständig auseinander gefallen. Damit 
war denn die ethische Ausgabe nicht, die sinnliche Welt nach den 
Zwecken des Geistes einzurichten, die Seele zur Herrschaft über den 
Körper zu erheben und die sinnlicheiAktion durch den Geist zu 
reinigen, sondern die Vernichtung der s1nnlichen Elemente durch die 
Seele, ,das Abthun und Zerbrecheu des Körpers, die Ascese. Aus 
der absoluten Vernidhtung der materiellen Existenz des Menschen 
sollte sein wahres intellektuelles Sein, sollte sein wahres Wesen d. h. 
das Brahmau hervorgehen; nur nach völliger Vernichtung des 
Sinnenlebens, des Körpers, sollte sich der Mensch in den reinen 
Geist versenken können. Da dieser reine Geist jedoch nur als Nega: 
tion der Natur und der Welt gedacht werden konnte und gedacht wurde, 
da ihm nur die Eigenschaft beigelegt war, nicht Materie zu sein, so 
war diese Forderung, das Brahman und nichts als das Brahman 
zu denken, in der That nichts Geringeres als die Aufgabe, einer Seits 
gder beständigen Abweisung und Vermeidung jeder bestimmten einzeli 
neu Anschauung, anderer Seits der Hervorbringung der Vorstellung 
einer unbestimmten nnd unbestimmbaren Einheit der Vielheit und 
Mannigfaltigkeit der Welt und der Natur gegenüber. Die Vor: 
stellung der Einheit, welche von der Vielheit, welche sie umfaßt, 
völlig absieht, ist nichts als das Starren in7s Leere. Damit wurde 
neben der Negation des leiblichen auch die des geistigen Lebens ge: 
fordert d. h. nichts Geringeres als die leibliche und geistige Selbst: 
vernichtung des Menschen. 
Seit Alters hatten die Jnder, wie wir gesehen, viel von Zauberei 
gehalten. Es war das Mhsterium des Kultus, die Kraft des rechten
        

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