Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-70113
Geraubte Kunstwerke. 
HäUfUt1g 
Ihre 
und 
Aenderung. 
4l9 
Kleinasiens und Syriens diesen Pöbel kaum zu sättigen im Stande 
seien. Als er schrieb, im fünften Jahrhundert, war freilich die Stadt 
schon volkreicher als Rom.1 
Endlich wurden vielen Städten des Reiches ihre KunstschäHe ge, 
raubt, was für Menschen griechischer Bildung immer das Schmerz: 
lichste sein mußte. Von dem Raub und dem Einschmelzen der Statuen 
aus kostbarem Stoffe ist schon oben die Rede gewesen; außerdem han: 
delt es sich um den schändlichsten und massenhaftesten Kunstraub der 
ganzen Geschichte, zum Behuf der Ausschmückung einer neuen Haupts 
stadt. Hier ist Constantin weder Heide noch Christ,  denn er bes 
leidigte beide Religionen2 durch das Verschleppen der Götterbilder 
nach Byzanz  sondern ein selbstsüchtiger Plünderer zur Verherr: 
lichung seines eigenen Namens. Es giebt für Denjenigen, welcher die 
alte Kunst kennt, keine schmerzlichere Leetüre als jene Verzeichnisse 
der durch und seit Constantin in Byzanz aufgestellten Kunstwerke,3 
zumal wenn man sich ihres Unterganges bei Anlaß des vierten Kreuz: 
zuges erinnert. Zwar darf man nicht immer an die wirklichen Origi: 
nalien der betreffenden Tempelbilder denken, wenn z. B. bei Euseb 
von dem pythischen und dem sminthischen Apoll, anderswo von der 
samischen Hera, dem olympischen Zeus u. dgl. die Rede ist, aber der 
Verlust eines griechischen Kunstwerkes überhaupt ist unersehlich, und 
dann sind auch jene Urbilder ohnedieß nicht mehr vorhanden. Die 
Häufung des Ungleichartigen, z. B. unter den 427 Statuen vor der 
Sophienkirche, muß von roher und abscheulicher Wirkung gewesen fein; 
in einzelnen Fällen wurde auch aus ganz barbarische Weise an den 
T Wie der nicht viel spätere Sozomenus II, 3 versichert.  Um die 
Baulust zu wecken, hatte schon Constantin jedem neuerrichteten Hause 
einen jährlichen Getreideantheil zugewiesen, vgl. Manso, a. a. O., 
S. 318. 
I Euseb. vjta, C. 111, 54 versüßt sich die Bevölkerung aller Plätze der 
Stadt mit Heidengöttern durc; die Annahme, Constantin habe den 
verrückten Aberglauben auf jede Weise in seiner Richtigkeit darstellen 
wollen. 
S S. besonders den Anonymus des Banduri, 1. c. pag. 4, 7, 14, 
24, 28, 41. s., sc, und in derselben Sammlung pag. 135ss174 
die aus Constantinopels Kunstwerke bezüglichen Epigramme aus de: 
Antho1ogie. 
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