Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-70038
neue Hauptstadt. 
Die 
AnsprüSkJE 
Von 
Jllyricum. 
411 
nicht im Stande, das Schicksal seiner Dynastie zu leiten und zu sichern, 
schon weil sie ein entsetzliches Geschlecht war. Er mußte es darauf 
ankommen lassen, welchem Erben einst das Reich und die Eonstanti: 
nopolis schließlich anheimfallen würden. 
Die geographischen Gründe, welche man sonst geltend macht, 
dürfen wenigstens nicht überschäht werden. Byzanz lag allerdings den 
am meisten bedrohten Grenzen viel näher als Rom; die Donau: und 
Pontusgothen und die Perser konnte man von hier aus weit besser 
beobachten. Allein mit den Franken und Alamannen war es trotz, 
aller Siege noch nicht so zu Ende, daß die so weit entlegene Rhein: 
grenze als unbedingt gesichert hätte gelten können. Außerdem ist es 
noch eine Frage, ob die Hauptstadt vorzugsweise in eine der am meisten 
gefährdeten Gegenden des Reiches gehörte, wo noch vor wenigen Jahr: 
zehnten gothische Raubflotten ihr Wesen getrieben hatten. Dießmal 
erhielt sie freilich eine solche Befestigung, daß neun Jahrhunderte hin: 
durch alle Völkerftürme vergebens an ihre Mauern prallten. 
Byzanz hatte aber noch eine ganz andere geographische Bedeutung 
als bloß die eines uneinnehmbar festen WaffenplaHes. Erinnern wir 
uns, welche Rolle das sogenannte il1yrische Dreieck, d. h. die Länder: 
masse zwischen dem schwarzen, ägäischen und adriatischen Meer im 
dritten Jahrhundert gespielt hatte; seine Feldherrn und Soldaten, 
darunter die constantinische Familie selber, hatten das Reich gerettet 
und beherrscht; es durfte nun die Residenz für sich verlangen, und so 
ist die Constantinopolis zunächst der Ausdruck und die Ehrenkrone 
von Jllyricum. Eine Aussage des Zonaras berechtigt zu dieser Ver: 
muthung; Constantin soll nämlich Anfangs sogar an eine Stadt des 
tiefen Binnenlandes, Sardica Cdas jehige Sofia in BulgarienJ gedacht 
haben,I wobei ihn offenbar nur die Rücksicht auf das bevorzugte Volk 
im Reiche leiten konnte. 
Die Constantinopolis sollte aber  wohin sie auch zu liegen kam 
gis überhaupt keine bloße Residenz, sondern der Ausdruck der neuen 
Zustände in Staat, Religion nnd Leben werden.2 Der Gründer hatte 
I Vgl. auch den Anonymus bei Müller,  p. 199. 
Eonstantin pflegte damals oft zu sagen: ,,Mein Rom ist Sardica.U 
Es ist nicht die Gegend von Sardes in Kleinasien gemeint. 
E Wie untergeordnet die Idee der Residenz erschien, geht schon daraus
        

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