Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-69698
KeZertoleranz. 
Blick 
auf 
die späten: 
Regierungen. 
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sah wahrscheinlich von Anfang an, daß der Streit großentheils um 
des Streites willen geführt wurde, und daß alles Versöhnen am un, 
rechten Orte angebracht wäre. Hierin versahen es feine Nachfolger, 
weil sie selber ernstlich in den theologischen Fragen befangen waren 
und der von ihnen unterstühten Partei die Hände frei ließen zu Ge: 
waltthat und Rache. 
Ein lebendiges Zeugniß hievon besihen wir noch in dem bekannten 
Keheredict,1 aus den legten Jahren vor seinem Tode. Der geistliche 
Concipient fährt die KeHer auf das härteste an, so viele ihrer sind, 
Novatianer, Valentiner, Marcioniten, Kataphryger u. a.; allein es 
bleibt nach allen Schimpfworten dabei, daß man ihnen die Versamms 
lungslocale wegnimmt. Euseb jubelt: ,,sie wurden vertrieben, aus: 
getrieben wurden sie wie die ThierelU  allein man bemerkt wohl, 
daß ihm dieses lange nicht genügte. Von den Novatianern wird aus: 
drücklich bemerkt, Conftantin habe sie nur etwas erfchrecken wollen; 
eigentliche Verfolgungen trafen, wie es scheint, bloß die Montanisten 
oder Kataphryger, welche als Fanatiker gefährlich werden konnten, 
und auch diese blieben wenigstens in Phrygien, dem Heimathland der 
Sekte, unangefochten. Es kommen allerdings in Conftantin7s Maaß: 
regeln einzelne wunderliche Jneonsequenzen vor; nach der Verdammung 
des Arius ergeht z. B. ein Befehl2 an alle Kirchen, dessen Schriften 
zu verbrennen, mit den Schlußworten: ,,Wer ein Buch verhehlt, wird 
getödtet. Gott erhalte Euchs,  allein den Arius selber ließ man 
ruhig in der Verbannung leben und zog ihn nachher wieder zu Ehren. 
Nach Constantin7s Tode verfallen gleich seine Söhne ganz persöu2 
lich den kirchlichen Parteien; sie waren dazu erzogen, und die Schäkkd, 
lichkeit ihres Charakters hinderte sie nicht daran. Sokrates C1l, 2J 
erzählt z. B., wie Conftantin für den Arianismus gewonnen wurde; 
ein ungenannt gebliebener Presbyter, welcher ihm das Testament seines 
Vaters überbracht haben soll und sich bei diesem Anlaß am Hofe fest: 
seHte, brachte zuerst den Großkammerherrn Eufebius, einen Eunuchen, 
I Euseb. 1. C. III, 63ss66. SoZom. II, 32.  Ein Gese5 Vom J. 326, 
0od. Theodos. XVI, 5, nimmt zwar die KeHer von allen Befreiungen 
aus, welche den Rechtgläubigen gelten und droht jenen mit bürger, 
lieben Lasten aller Art, aber ganz in7s Unbeftimmte hinein. 
E socrates I, 8.
        

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