Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-69681
376 
Abschnitt. 
Neunter 
Conftantin 
und 
Kirche. 
die 
war Athanasius schon wieder am Hofe;  als ich gerade Cschrieb der 
KaiserJ in Constantinopel einritt, begegnete er mir plötzlich mit den 
Seinigen; Gott ist mein Zeuge, daß ich ihn nicht einmal sogleich er: 
kannte, anfangs auch gar nichts von ihm wissen wolltest 2c. Die Folge 
dieses Zusammentreffens war, daß Constantin die Väter von Tyrus 
zu schleuniger Rechtfertigung ihres Betragens und ihrer Beschlüsse 
nach der Hauptstadt citirte. Da wagten sie den ersten Ungehor: 
s am ; statt aller erschienen nur die sechs Häupter der Partei, und nun 
gab Constantin, obwohl nicht unbedingt, nach und verbannte den 
Athanasius nach Trier, verfiigte ader, daß der Stuhl von Alexandrien 
nicht beseHt werden dürfe, offenbar in der Absicht, den Athanasius zu 
gelegener Zeit wieder einzusehen.I Es ist nicht leicht zu entscheiden, 
ob Constantin etwa vor dem Troh der Bischöfe erschrak, oder was 
sonst seinen Entschluß leitete; die Kläger sagten ihm, Athanasius habe 
gedroht, die Abfahrt der ägyptischen Kornflotte hindern zu wollen, 
allein dieß glaubte ihnen der Kaiser wahrscheinlich nicht, selbst wenn 
er sich gläubig stellte. Daraus beschied er den Arius nach Constanti: 
nopel, wie es schien in der huldreichsten Absicht. Aber nach einem 
Besuch im kaiserlichen Palaste C336J wurde Arius auf der Straße 
plöhlich unwohl und verschied gleich darauf in einer nahen öffentlichen 
Latrine, welche noch nah hundert Jahren als Merkwürdigkeit gezeigt 
wurde. Ob er Gift bekommen hatte und von wem, bleibt zweifelhaft; 
Constantin hatte kein Interesse dabei.2 
Er hätte ohne Zweifel gerne eine stätige, einträchtige Reichskirche 
gehabt, aber die stärksten Schwankungen waren eingetreten. Bei seiner 
innern Neutralität wurde es ihm nun nicht schwer, die kirchlichen Par: 
teien in der Schwebe zu halten und keiner sich bleibend hinzugeben. 
Er ließ sie daher abwechselnd siegen und sorgte nur immer durch kräf: 
tige Eingrifse dafür, daß man Jhn und seine Macht nicht vergaß. Er 
I Daß er ihn vor der Wuth der Gegner in Sicherheit bringen wollte, 
wie in einem Briefe Constantin7s II. behauptet Wird, ist gar UiChk 
durchaus unwahrscheinlich. soomtes II, Z. 
2 socra.tes I, 38 läßt den Arius durch den orthodoxen Bischof Alexans 
der von Conftantinopel todt beten und sucht in seiner Beschreibung 
des TodesfalIes indirect dem Verdacht der Vergiftung zu begegnen. 
SOZom. II, 30.
        

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