Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-69562
364 
Neunter 
Abschnitt. 
und 
Constantin 
die Kirche. 
deter Tempel durch ein Geseh1 stille gestellt worden. Wie es mit 
den Tempelgütern ging, ist nicht näher bekannt; in einzelnen Fällen 
wurden sie sicher eingezogen, doch erst unter Constantin7s Nachfolgern 
in Masse und planmäßig. Von einem GeseH, welches die allgemeine 
Zerstörung der Tempel verfügt hätte, wie die Chronik des Hierony: 
mus zum Jahr 335 erzählt, kann bei Constantin selber keine Rede 
. sein. Was er that und geschehen ließ, geschah gelegentlich, aus 
srivoler Raubfucht und unter schwankender geistlicher Einwirkung, 
deßhalb auch so ungleich. Ein consequentes System wird man bei 
einem hierin mit Willen inconfequenten Menschen vergebens nach: 
weisen wollen. 
Das Urtheil über sein christliches Bekenntniß und seine Taufe auf 
dem Sterbebette wird vollends Jeder nach eigenem Maaßftab beur: 
theilen inüss en. 2 
Die großen äußern Veränderungen, welche die Stellung und daher 
auch die Verfassung der christliihen Kirche durch Constantin erfuhr, 
sind bekannt genug und können hier nur in Kürze wiederholt werden. 
Die Geistlichen fc1ericiJ wurden gleich zur Zeit der ersten Toleranz: 
edicte thatsächlich als Stand, als Eorporation anerkannt, was von 
unermeßlicher Wichtigkeit für die ganze Entwickelung der Kirche sein 
mußte. Sie hatten siih selber wohl schon längst zu dieser Bestimmung 
vorbereitet, indem sie einerseits sich von den Laien isolirten, anderer: 
seits durch Gemeinsamkeit vieler Amtsgeschäfte, namentlich durch das 
Synodenwesen, den Charakter einer Körperschaft erwarben. Doch der 
einstweilen bloß tolerant gewordene Staat hätte darauf nicht so voll: 
ständig einzugehen nöthig gehabtP Er konnte, so scheint es, den Clerus 
als Stand ignoriren und sich direkt an die Gemeinden wendenP  
Allein Eonstantin fand den Clerus schon so eigenthümlich zur Macht 
organifirt und durch die Verfolgung so sehr gehoben vor, daß er ent: 
weder durch diese Corporation und ihren hohen Eredit herrschen oder 
sie über kurz oder lang zum Feinde haben mußte. Er gab ihr daher 
alle möglichen Garantien der Gunst bis zu einer Art Mitherrschaft, 
I Vom J. 326. Coä. Theoc1os. XV. 1s 
2 Ueber die weitern Schicksale des Heidenthums, seiner Einrichtungen 
und Tempelgüter, von den Söhnen Consta11tin7s bis auf Justinian, 
vgl. Lasaulx, der Untergang des HelIenismus 2c., München 1854.
        

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