Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-69494
Die 
des 
Reden 
Kaisers; 
Nebenzweck. 
ihr 
357 
ihre Unersättlichkeit keine Rührung in ihnen aufkommen ließ. Con: 
stantin schrieb diese Reden lateinisch, worauf die Dolmetscher sie in7s 
Griechische übersetgten. Es Was soll man zu dieser Erzählung denken9 
Constantin, der die diocletianische Repräfentationsweise so eifrig fort: 
feste und auf seine persönliche Majestät so große Dinge hielt, bequemt 
sich zum Auftreten vor den Massen der HauptstadtT Die Kritik, wel: 
eher er sich aussehte, war noch das Wenigste, und die Zuhörer ver: 
zichteten vielleicht aus guten Gründen darauf; allein wozu die Reden, 
wenn man die Macht, d. h. das große Privilegium zu handeln be: 
fiHtP Ein Grund läßt sich vielleicht errathen. Jn dieser Zeit der relis 
giösen Crisis muß das öffentlich gesprochene Wort, bisher auf rheto: 
rische Exercitien und Lobreden beschränkt, auf einmal vom Predigt: 
stuhl herab einen so ungeheuern Einfluß gewonnen haben, daß Con: 
stantin es schon als Mittel der Macht nicht ganz entbehren mochte, 
ungefähr wie heute auch die mächtigsten Regierungen sich in der Zeig 
tungspresse müssen vertreten lassen. Wenn es ihm, dem Ungetauften, 
dem Nicht:Katechumenen, einfallen durfte, sich als ,,gemeinsamen 
Bischofs auszugeben,2 so konnte er ganz eben so gut einen christlichen 
Prediger vorstellen. Wie er die christlichen Dogmen dabei behandelt 
hat, wissen wir nicht; daß er sich unbedingt als Christ gestellt habe, 
ist nicht einmal wahrscheinlich. Sodann deutet Euseb sehr klar auf 
einen Nebenzweck dieser Reden hin; sie waren ein willkommener An: 
laß, Gnade und Ungnade zu äußern, die Umgebung in Schrecken zu 
setz,en3 und eine Menge Dinge in künstlich zweideutiger Form unter 
I Daß die Rede ad sanci,orum ooetum ein Muster dieser Art sei, wie 
Buseb.1. c. 1V, 32 behauptet, ist eine reine Unmöglichkeit; vielleicht 
hat man über ein kaiserliches Canevas eine weitläufige theologifche 
Abhandlung gestickt.  Eine genügende Analyse davon bei Gfrörer, 
Kikc;eugesch. 11. S. 14s 
D Spätere, wie z. V. Glycas, die nicht begreifen konnten, wie ein Un, 
getaufter zu Nicäa hätte präsidiren dürfen, schlossen sic; desto eifri2 
ger der bekannten Sage an, daß er zu Rom durih den heil. Syl: 
vester schon früher sei getauft WVVdeUs 
Z Noch in der letzten erbaulichen Rede kurz vor seinem Tode wandte 
er sich auf einmal sehr nachd1IüSkIkkh zum ,,Ende der GottlosenU und 
schien damit auf ,,die Umstehendenl7 deuten zu wollen. Euseb. l. c. 
IV. 55.
        

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