Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-68552
Aufgaben. 
UcUcU 
Die 
Vorwiegen der 
Das 
Tendenz. 
263 
einfacher Stoff seine Stelle behauptete, mußte er nun wetteifern durch 
Häufung der Glieder und Vervielfachung der Ornamente, da man für 
das Einfache überhaupt verdorben war. Der Eindruck ist oft über die 
Maßen kleinlich und verwirrend, weil aller äußerliche architektonische 
Reichthum, einmal als leitendes Princip aufgefaßt, rasch alle Schran: 
ken überschreitet und auch Bautheile und Stellen verziert, die dessen 
um ihrer Funktion willen eigentlich nicht fähig sind. Wir wollen die 
Bauten dieses Styles, von welchen die palmyrenischen nnd der Dio: 
cletianspalast zu Salona CSpalatroJ sprichwörtlich geworden sind, 
hier nicht wieder aufzählen. Soweit sie nicht in Anordnung und Pro: 
portionen an die bessere Zeit erinnern, gehören sie der Ausartung 
und ersehen das Verlorene nicht einmal durch den perspectivischen 
Reiz, welchen z. B. der entartete moderne Sthl unter den Händen 
eines Bernini entwickelt. Dieser weiß den Blick zu sammeln, dort ist 
lauter Unruhe und Zerstreuung: Bernini verachtet das Detail und 
arbeitet stets auf das Ganze hin; dort wollen die gehäuften Einzel: 
formen als solche etwas bedeuten. 
Gereichte nun der Luxus in dem bezeichneten Sinne der schönen 
Bausorm nothwendig zum Untergang, so trug selbst ein höherer Fort: 
schritt zum Neuen nicht weniger dazu bei, das von den Griechen er: 
erbte Bausysten1 definitiv zu zersprengen. Wir meinen die neue Auf: 
gabe großer, vorzüglich gewölbter Binnenräume. In der bessern Kai: 
serzeit hatte man z. B. beim Thermenbau die Säulen und ihr Gebälk 
mit der Kuppel, dem Tonnengewölbe und Kreuzgewölbe so verbun: 
den, daß sie gleichsam als ein eigener Organismus daran vorbei: 
gehen. Eine Rücksicht dieser Art konnte auf die Länge nicht fort: 
dauern, namentlich als mit der christlichen Zeit jene Aufgaben sich 
auf einmal außerordentlich häuften, und zugleich die Tendenz auf mög: 
liihfte Prachtentwicklung jede andere Erwägung schweigen hieß. Die 
christliche Basilica, das erste große Vorbild aller rein perspectivisch 
gedachten Binnenräume,I lud Bogen und große schwere Obermauern 
auf ihre Säulenreihen; die Kuppelkirche mit untern und obern Ga: 
l 
Als Bafiliken, wenigstens als Laugbauten, werden u. a. geschildert: 
Die alte Sophienkirche, S. Agathonicus, S. Jsaacius in Conftanti: 
nopel. Anony111. Ba.nduri p. 65.
        

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