Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-68535
MaterielIe 
und 
Einbuße 
Kunst. 
der 
Verfall 
innerer 
261 
Zerstörung der StädtePtt   Menipp Cerwiedert HermesJ, du 
hast das Weib nicht lebend gefehenitl H  Doch ist in dieser frühem 
Kaiserzeit, welche von den damaligen Aesthetikern, von Petronius 
und dem ältern Plinius, als Epoche des Kunstversalls mit verhält: 
nißmäßigem Rechte angeklagt wird, wenigstens in Jtalien das Ver: 
langen nach künstlerischer Umgebung des Daseins noch unglaublich 
stark. Pompeji allein deutet, nach Götheis Ausdruck, ,,auf eine Kunsts 
und Bilderlust eines ganzen Volkes, von der jeho der eifrigste Lieb: 
habet weder Begriff, noch Gefühl, noch Bedürfnis; hat. U Trägt man 
diesen Maßstab auf das damalige Rom über, so findet sich ein Ergeb: 
niß, welches schwindeln macht. 
Jm dritten Jahrhundert fand die Kunst allerdings einen gefähr: 
lichen materiellen Feind an der Zerrtittung des Reiches durch Pest, 
Krieg und Verarmung. Da die Kaiser namentlich seit Aurelian wieder 
sehr viel bauen ließenI und ohne Zweifel auch die übrigen Künste 
verhältnißmäßig in Anspruch nahmen, so könnte sich diese Einbuße 
wieder etwas ausgeglichen haben, wenn nicht der zunehmende Druck 
auf die ReicJen und Besitzenden immerhin einen dauernden Verlust 
mit sich geführt hätte. 
Nimmt man nun an, daß die Natur doch immerfort ein reiches 
Maaß von Begabung austheilte, woran sich auch mitten im Zerfall 
aller Formen oft nicht zweifeln läßt, so frägt es sich weiter, woher 
die falschen Richtungen kamen, in welchen sich die Talente ver: 
loren9 Woher ferner jene Anonymität, welche fast die ganze Kunst 
des dritten und vierten Jahrhunderts mit so tödtlichem Schweigen 
deckt9 
Es ist eine Thatsache, daß ungefähr seit der Mitte des zweiten 
Jahrhunderts die bisher noch immer lebendige Reproduction des Schö: 
neu stille steht und zu einer bloß äußerlichen Wiederholung wird; daß 
von da an innerliche Verarmung und scheinbarer Ueberreichthum der 
Formen Hand in Hand gehen. 
Die tiefste Ursache dieser Erscheinung wird man wohl nie ergrün: 
den oder in Worte fassen können. Hatte das ausgebildete griechische 
Formensystem sechshundert Jahre lang sich unter den verschiedensten 
Vgl. 
Ma,1a1as , 
1ib. 
passim. 
XII
        

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