Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-68327
240 
Abschnitt. 
Sechster 
Dämonisirung 
Die 
des 
.Heidenthums. 
Zeit das Leben wiederzugeben und sie zum Sprechen zu bringen. 
Griechenland hatte von Alters her seine Todtenorakel gehabt, allein 
in der spätern Zeit, von welcher hier die Rede ist, hat diese grauen: 
volle Kunst ihren Hauptanhalt unstreitig an Aegypten, und selbst wer 
nicht dorther stammte, nahm doch gerne beim Beschwören den ägyp: 
tischen Ton an.1 Apulejus im zweiten Buche der Metamorphosen 
verlegt eine solche Scene aus das Forum von Larissa in Thessalien, 
wo es sonst an einheimisihen Zauberern nicht fehlte; gleichwohl muß 
ein Aegypter, Zaohlas, in weißem Linnenkleid, mit geschorenem 
Haupte, austreten, um durch dreimaliges Auslegen gewisser Kräuter 
auf Mund und Brust der Leiche und durch leises Gebet zur ausgehen: 
den Sonne das Wunder zu vollbringen. Eine andere Geschichte dieser 
Art, ohne apuleischen Humor mit grellem ägyptischem Detail erzählt, 
findet sich bei Heliodor; 2 hier besohwört eine Mutter ihren im Kampf 
getödteten Sohn, und die Leiche spricht Wahrheit, während es im 
obigen Falle zweifelhaft bleibt, ob der Zauberer nicht ein falsches, 
lügenhaftes Leben in den Körper gebannt hat. Der Autor, unter der 
Maske des weisen Priesters Kalasiris, mißbilligt freilich dieses Lei: 
chenbeschwören und stellt auch bei einem andern Anlaß Z dieser niedrig 
gen Mantik eine höhere echt ägyptische Weisheit gegenüber, welche 
gen Himmel blicke, mit den Göttern umgehe u. s. w.; allein dies sind 
Ausreden des vierten Jahrhunderts, als die Staatsgewalt in Sachen 
der Zauberei keinen Scherz mehr verstand, oder auch vielleicht Nach: 
Wirkungen der edlern plotinischsporphyrischen Schullehre, die sich 
von der operativen Magie mit Willen fern hielt.  Was soll man 
aber denken, wenn einzelne Beispiele der Leichenbeschwörung bei 
frommen christlichen Priestern vorkommen, und zwar nicht erst im 
Mittelalter, sondern im vierten und fünften JahrhundertP Der hei: 
lige Spiridion CSpyridonJ, Bischof von Trimithunt auf Eypern,4 der 
später beim nicenischen Concil anwesend war, hatte eine Tochter 
Jrene, welcher ein Bekannter einen werthvollen Gegenstand anders 
T So in Lucian7s Philopseudes CEap.31J DIE N2UPtJkhAgvreet Arignvs 
tos gegenüber dem Gespenst in Korinth, kxZYu1miTm scJ epwwH. 
I Heli0dor. Aethjop. VI, 14. 
I Aethi0p. m, is. 17. vgl. IX, 5s 7s 12s 
4 Socrates Hist. eoc1es. I, 12. Sozomenus I, 11. Aus RuHn. I, 5.
        

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