Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-68126
220 
Abschnitt. 
Sechster 
Dämonisirung 
Die 
Heidenthums. 
des 
und zwar am ehesten indischen Ursprunges.1 Nur hätte weder die 
Buße noch ihre speculative Begründung allein von Osten her Eingang 
gefunden, wären die Gemüther nicht von Hause aus in einer gleich: 
artigen Bewegung begriffen gewesen. Einzelne merkwürdige Beriih: 
rungen des Systems mit dem Christenthum, ja ein gegenseitiger Ein: 
fluß des einen auf das andere konnten ebenfalls nicht ausbleiben. 
Diese Schule nun, die sich nach Plato nannte, läßt sich auf den q1Iek2 
dumpfsten Aberglauben ein und geht zeitweise förmlich in Magie und 
Theurgie auf. In jener großen Stufenreihe aus Gott emanirter Wesen 
wirkt nämlich Geist aufGeist und Geist auf Natur in magif eher Weise, 
und den Schlüssel zu dieser Magie befiht der Eingeweihte; was man 
von jenen halbmhthischen Thaumaturgen, von einem Phthagoras oder 
ApolIonius in dieser Beziehung glaubte, das traute man auch sich 
selber fortwährend zu. Die Neuplatoniker leben als Rhetoren, So: 
phisten, Erzieher, Sekretäre wie die Philosophen der frühern Kaiser: 
zeit; mitten aus dieser Thätigkeit aber erheben sie sich bisweilen auf 
einmal zur Beschwörung von Göttern, Dämonen und Seelen, zu 
iWunderkuren und geheimnißvollem Spuk der verschiedensten Arten. 
Bei dem Edelsten der Schule, dem Aegypter Plotinus C205ss 
27OJ, tritt diese Seite nicht besonders hervor;2 seine sittliche Reinheit 
und Easteiung, wozu er auch andere, selbst viele vornehme Römer zu 
begeistern weiß, gewährt ihm wie von selbst die Gabe der Ahnung 
und Weifsagung; zur Beschwörung schreitet er, wie es scheint, nur ge: 
zwungen. Gleichwohl behielt er ein iibermenschliches Ansehen, und so 
lange es Heiden gab, ,,erkalteten seine Altäre nicht.tt Bei feinem 
Schüler, dem Phönicier Porphhrius Cgeb. 233J, bemerkt man sogar 
eine direkte Abneigung gegen die Magie, ja er zweifelt an der ganzen 
Dämonologie seiner Schule und zieht sich dadurch deren schweres Miß: 
trauen zu. Auf seine Einwürfe erfolgte eine Antwort, welche unter 
1 Ritter, a. a. O., S. 414 ff. Tzschirner, a. a. O., S. 59O. Ob in 
den Neuplatonikern diese Lehre bis zu einem lebendigen Gefühl der 
Sündhaftigkeit führte, bleibt doch immer sehr ungewiß. Der Hoch: 
Muth dauert fort. 
2 Vgl. das Leben Plotin7s von Porphyrius, besonders c. 7.  Für 
das Folgende die vit9e phi1osop110rum des Eunapius, Ausgabe von 
Boissonade und Wyttenbach.
        

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