Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-67534
Der 
von Hierapolis. 
Tempel 
16l 
vor der Hauptpforte der Tempel im Freien zu stehen pflegte, sah man 
eine Unzahl eherner Bilder, Könige und Priester vom höchsten Alter: 
thum bis auf die Seleucidenzeit darstellend, in der Nähe auch eine 
Anzahl Gestalten aus dem homerischen Sagenkreise. Allein das Merk: 
würdigste waren überhaupt nicht die Bilder, sondern der Cultus, von 
dessen wüster Massenhaftigkeit man nur hier einen vollständigen Be: 
griff erhält. In dem großen Tempelhose gingen heilige Stiere, Pferde, 
zahme Löwen und Bären frei herum; dabei war ein Teich voll heiliger 
Fische, in der Mitte ein Altar, zu welchem täglich AndäGtige laut 
Gelübde hinschwammen, um ihn zu bekränzen. Um den Tempel warf 
ein Volk von Flötenbläsern, entmanntenPriestern CGalliJ und rasenden 
Weibern angesiedelt, welche mit pomphaften lärmenden Prozessionen, 
mit Opfern und aller möglichen Unsitte ihre Zeit hinbrachten. Ganz 
dem Wahnsinn geweiht erscheint zumal das Frühlingsfest, zu welchem 
sich eine ungeheure Wallfahrt aus ganz Syrien in Hierapolis einfand. 
Bei diesem Anlaß wurde nicht bloß ein halber Wald mit Opfern aller 
Art CThieren, Gewändern, KostbarkeitenJ verbrannt, sondern auch die 
Recrutirung der Galli scheint sich daran1 angeschlossen zu haben, indem 
der wüthende Taumel viele Unglückliche ergriff, daß sie sich durch 
Selbstentmannung der Göttin weihten. Und dieser Tempel war einer 
der geehrtesten von Vorderasien, und zu seinen SchäHen hatte Cappa: 
docien wie Assyrien, Cilicien wie Phönieien beigefteuert. Weithin 
leuchtete er mit seinen ionischen Säulenreihen von einem Hügel über die 
ganze Stadt, ruhend auf Mauerterrassen mit gewaltigen Propyläen. 
Merkwürdiger Weise findet sich in diesem Tempelbezirk, wo es so bunt 
hergeht, auch das Vorbild der spätern Säulenheiligen; aus den Pro: 
pyläen ragten zwei enorme Steinbilder2 CSinnbilder der Zeugungss 
kraftJ empor, dergleichen in ganz Kleinasien, so weit ähnlikhe Culte 
reichten, hie und da vorkamen, und auf diese stieg alljährlich einMensch, 
1 
I A. a. O., S. 49, 50 will Lucian offenbar Beides verknüpfen. Die 
meisten Verfchnittenen mochten indes; Sklaven sein, welche durch Sehen, 
kung ihrer Herrn an die Tempel gelangten. Vgl. Stra,b0 XI, Ende. 
Z Die cPaD.oL TptyxocCcov öpYuik5wv, a. a. O., S. 28 beruhen entweder 
auf einer abfichtlichen Uebertreibung Lucians oder auf einer falschen 
Lesart für scpcoi::ovm.E Man rechne nach, welche Pfeiler das gäbe, 
die Orgyje zu 52x3 Fuß gerechnet. 
Vurckhardt, Conftantin. 2. Aufl. 11
        

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