Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-67523
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Fünfter Abschnitt. 
Das Heidenthum und seine Göttermischung. 
stand unter freiem Himmel in hoher unbedeckter Nische1 das Idol, 
öfter nur ein Stein von konischer Form; Gitter, Hallen und Höfe, wo 
man Schaaren von Tauben hegte, umgaben das Sanctuarium; auch 
sreistehende Pfeiler kommen in diesen Anlagen vor, wobei man sich 
an die Pfeiler Jachin und Booz vor dem Tempel von Jerusalem 
erinnert. 
Eine Umgestaltung des Namens Astarte ist Atargatis, die Göttin, 
welche oben menschliche, unten Fischgestalt hatte. Auch sie besaß ohne 
Zweifel noch ihre einst berühmten Tempel zu Ascalon, in der Nähe 
des alten philistäischen Fischgottes Dagon, und anderswo. In ganz 
später, gräcisirter Gestalt thronte sie in dem berühmten Tempel von 
Hierapolis im nördlichen Syrien, welchen Lucian schildert, und welcher 
noch bis in das vierte Jahrhundert sich unberührt erhalten haben mag. 
Hinten in einem erhöhten Raum,2 den nur die Priester betraten, sah 
man neben dem schon erwähnten Baal:Zeus das goldene Bild der 
Göttin auf einem mit Löwen bespannten Wagen.3 Ihre Attribute 
waren von den verschiedenen griechischen Göttinnen entlehnt; in den 
Händen Scepter und Spindel, um den Leib den Gürtel der Urania, 
auf demHaupte Strahlen und Mauerkrone, nebst einem Steine, welcher 
des Nachts den ganzen Tempelraum erleuchtete.4 Außerdem hatten 
sich aber noch verschiedene griechische oder gräcisirte Gottheiten in dem 
Tempel eine Stelle verschafft; so ein bärtiger bekleideter Apoll, welcher 
sich bewegte, wenn man ein Orakel verlangte; dann erhoben ihn die 
Priester und trugen ihn herum, wie er sie leitete; vorwärts galt als 
ja, rückwärts als nein auf die gestellten Fragen; er soll dabei stark 
geschwiHt haben. Auch ein Atlas, ein Hermes, eine Jlithyia standen 
im Innern, draußen aber, bei oder an dem großen Altar, welcher 
1 Ein Saeellum dieser Art als bekannter Gegenstand in einem pom: 
pejanischen Gemälde Antjchitä di Erc01. 1lI, 52. Der Tempel von 
Paphos öfter auf römischen Kaisermünzen. 
Z Jm kleinen Tempel von Baalbek ist ein solcher Chor oder Thalamos 
noch nachzuweisen. 
I Möglicherweise saß sie auf den Löwen selbst, der Ausdruck ist unklar. 
E Mit dem Semeion, welches zwischen beiden Göttern in der Mitte 
stehen soll, hat Lucian la. a. O., Cap. 33J wahrscheinlich seine Leser 
zum Besten, wie mit mehrern andern Einzelheiten, wo der Spott 
mit ihm durchgeht.
        

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