Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-67511
Die 
Göttin. 
große 
und 
Astarte 
Urania. 
159 
Wir sehen einstweilen ab von der ägyptischen Jsis, welche eine 
verwandte Nebenform dieser großen Göttin ist, und verfolgen diese 
leHtere unter ihren noch im dritten Jahrhundert nachweisbaren Ge: 
stalten. 
Das alte Testament kannte und verabscheute sie als Astharoth, und 
noch immer gab es in Phönicien Tempel der Astarte; Lucian kannte 
einen solchen in Sidon. Er spricht davon beiläufig in der berühmten 
Schrift ,,von der syrischen Göttin, It welche uns hier zunächst als Quelle 
der Thatsachen interessirt, nicht weniger aber, weil sie die Stellung 
des frioolen, griechisch gebildeten Syrers zu seinem heitnischen Cultus 
so merkwürdig bezeichnet. Nirgends hat er den Hohn so weit getrieben 
als hier, wo er sich naiv stellt und den Styl und den ionischen Dialekt 
des ehrlichen alten Herodot nachahmt, um die ganze gloriöse Lächer: 
lichkeit jenes Göyendienstes recht unmittelbar wirken zu lassen. Hier 
lernt man aber auch erkennen, welche Bilder die Jugend des Spötters 
umgeben und beherrschen mußten, bis er mit allen Culten und allen 
Religionen brach. Ein Athener hätte diese Bücher nicht schreiben 
können.   
Von Phönicien aus verbreitet sich derselbe Dienst unter dem 
Namen der ,,himmlischen GöttinH weit über das Mittelmeer und 
vermischt sich mit dem classischen Cultus; die Griechen erkennen sie als 
Aphrodite urania, die Römer als Venus cölestis an, und diese Namen 
bekommen später auch in den eigentlich semitischen Ländern Geltung. 
Man dachte dabei nicht an Aphrodite als Göttin der Liebe und des 
Liebreizes, sondern als Erzeugerin.I Die Jnsel Cypern, wo griechische 
und semitische Bildung ineinander flossen, war dieser Göttin vorziig: 
lich geweiht, Paphos und Amathunt sprichwörtlich für ihren Dienst. 
Auch die Jnsel Cythere CCerigoJ und das Heiligthum des Berges Eryx 
in Sicilien gehörten der Urania; in Carthago war sie wenigstens in 
ihrer fpätern Umbildung die wichtigste Gottheit, und selbst in dem 
Namen der Stadt Gades, Gadeira CCadixJ liegt vielleicht die Räum: 
lichkeit eines alten Uranientempels angedeutet. Diese Heiligthümer 
waren ganz anders angelegt als die Göttertempel der Griechen; da 
1 
Ob Aphrodite überhaupt und selbst ihr Name semitischen Ursprungs 
feiP Vgl. Schmuck, a. a. O., S. 210.
        

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