Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-67344
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Fünfter Abschnitt. 
Das Heidenthum und seine Göttermischung. 
Religion, noch weniger eine weise Aufklärung für Eingeweihte, son: 
dem nur ein geheimer Ritus der Verehrung, welcher die Götter dem 
Mhsten besonders geneigt machen sollte. Eine wohlthätige Wirkung 
lag in der wenigstens dabei ausgesprochenen Bedingung reiner Sitten, 
sowie auch in der Belebung des Nationalgesühls, welches hier wie 
bei den festlichen Spielen den Hellenen mehr als je begeisterte. 
Dieser Religion gegenüber hatte die Philosophie, sobald sie sich 
über die kosmogonischen Fragen erhob, die Einheit des göttlichen 
Wesens mehr oder weniger deutlich ausgesprochen. Damit war der 
höchsten Religiosität, den schönsten sittlichen Jdealen die Bahn eröfs: 
net, freilich auch dem Pantheismus und selbst dem Atheismus, welche 
dieselbe Freiheit gegenüber dem Volksglauben in Anspruch nehmen 
konnten. Wer die Götter nicht läugnete, erklärte sie pantheistisch als 
Grundkräste des Weltalls oder stellte sie, wie die Epicureer, müßig 
neben die Welt hin. Auch die eigentliche ,,Ausklärungtt mischte sich in 
die Frage: Euhemeros und sein Anhang hatten schon längst die Götter 
zu ehemaligen Regenten, Kriegern u. s. w. gemacht und die Wunder 
rationalistisch durch Betrug und Mißverständnisse entstehen lassen; 
eine falsche Fährte, von welcher sich aber später die Kirchenväter und 
Apologeten bei der Beurtheilung des Heidenthums beständig irre füh2 
ren ließen.  Diesen ganzen Gährungszustand hatten die Römer 
neben der griechischen Cultur mit übernommen, und die Beschäftigung 
mit diesen Fragen wurde bei ihren Gebildeten Sache der Ueberzeus 
gung wie der Mode. Neben allem Aberglauben entwickelte sich in den 
höhern Schichten der Gesellschaft der Unglaube, mochten auch der 
eigentlichen Atheisten nur wenige sein. Dieß hörte aber mit dem 
dritten Jahrhundert, unter der Einwirkung der großen Gefahren des 
Reiches, sichtbar auf, und eine gewisse Gläubigkeit begann vorzuherr: 
schen, die allerdings weniger der alten Staatsreligion als den Fremd, 
culten zu Gute kam. Uebrigens war in Rom der alte einheimische 
Cult so enge mit dem Staatswesen verflochten und die betreffende 
Superstition so stark gegründet,I daß sowohl der Ungläubige als der 
I Vgl. Gerlach und Bac;ofen, Geschichte der Römer. Bd. I, Abthl. 2. 
S. 211 ff.  Eine merkwürdige Berathuug der sibylIinischen Bücher 
bei Amsel. Vier. Epidemie, bei Anlaß des Claudius Gothicus.
        

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