Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Zeit Constantin's des Großen
Person:
Burckhardt, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-65589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-67303
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Fünfter Abschnitt. 
Das Heidenthum und seine Göttermischung. 
schen die Stelle der alten Götter: und Weltanschauung einnehmen 
sollten. 
Bereits hatten drei Jahrhunderte das Leben und die Lehre der 
Christen in eine feste Form gebracht; die beständige Bedrohung und 
die häufigen Verfolgungen hatten die Gemeinde vor friihzeitigem Ver: 
fall bewahrt und es ihr möglich gemacht, den schwersten innern Zwie: 
spalt zu überwinden. Sie hatte sowohl die asketischen Schwärmer 
CMontanisten u. a.J als die speculativen Phantasten, welche das 
Christenthum zum Rahmen platonischer und orientalischer Philoso: 
pheme machen wollten Cdie GnostikerJ, glücklich von sich ausgeschie: 
den; mit dem neusten und gewaltigsten Versuche dieser Art, dem 
Manichäismus, hatte der Kampf nur erst begonnen; die Vorboten des 
Arianismus  Streitigkeiten über die zweite Person der Gottheit  
schienen so viel als beseitigt; endlich war der mannigfach obwaltende 
Zwist über einzelne Punkte der kirchlichen Disciplin in dieser Zeit 
der ecclesia presse. noch nicht so gefährlich als später in den Jahr: 
hunderten der herrschenden Kirche, welche von solchen Dingen Anlaß 
nahm zu bleibenden Spaltungen. 
Gar vielen Dingen war noch innerhalb des Christenthums selbst 
freier Platz gegönnt, die man später nicht mehr damit vereinigen 
konnte. Im vierten und fünften Jahrhundert verwundert man sich 
erst recht, wie es möglich war, die Speculation und die symbolische 
Schriftauslegung eines Origenes in der Kirche zu dulden; aber auch 
in mehrern Andern, die der werdenden und kämpfenden Kirche als 
Väter gegolten, erkennt man in der Folge halbe Keher. Von allzu 
verschiedenen Seiten her, allzu verschieden gebildet und aus allzu ab: 
weichenden Beweggründen traten die Catechumenen in die alte Kirche 
ein, als daß eine völlige Gleichheit der Lehre und des Lebens möglich 
gewesen wäre. Die idealen Menschen voll geistiger Tiefe und prak: 
tischer Hingebung waren gewiß die kleine Minderzahl wie in allen 
irdischen Dingen; die große Masse hatte sich angezogen gefühlt durch 
die in den Vordergrund gestellte Sündenvergebung, durch die verhei: 
ßene selige Unsterblichkeit, durch das Mhsterium, welches die Sacra: 
mente umgab und gewiß für Manchen nur eine Pqrallele der heid: 
nischen Mysterien war. Den Sklaven lockte die christliche Freiheit 
und Bruderliebe, manchen Unwürdigen endlich das sehr bedeutende
        

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