Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weltgeschichte in Umrissen
Person:
Yorck von Wartenburg, Maximilian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-59837
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-64032
des 
Le1zter Ansturm 
JZlam. 
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heit geschlichtet werden. Hier trugen dann am 25. Juni die Pro: as 
testanten dem Kaiser persönlich ihr Bekenntniß ,,die Augsburger 
Konfes s ion0 vor; wie aber sie fest auf ihrem Boden verblieben, so auch 
der Kaiser auf dem seinigen, ergebnißlos endete der Reichstag für die 
Betheiligten, freilich nicht ergebnißlos für die Weltgeschichte, denn das 
Augsburger Bekenntniß bezeichnet doch einen großen Abschnitt. Wie 
vordem die Herrschaft des Universalstaates, so war nun auch die der 
Universalkirche gebrochen und Deutschland, staatlich zerrissen, kirchlich 
gespalten, war vorbildlich im Kleinen für die Lage Europas im Großen. 
Hoffen wir, daß nach endlich gefundenem Zusammenschlusse, staatlich. auf 
dem Boden föderativer Einigkeit, kirchlich auf dem Boden unbedingter 
Gleichberechtigung der christlichen Vekenntnisse, es nun auch auf diesen 
Wegen vorbildlich für Europa und führend sein werde. 
Damals traf die christliche in sich so uneinige Welt abermals ein  
Angriffsstoß des Jslam, es sollte der letzte von geschichtlicher Bedeutung 
sein. Wie im Nordosten Polen so strebte im Südosten Ungarn nach der 
Stellung einer Vormacht, allein jetzt gerade war es innerer Zerrüttung 
verfallen und unfähig ernstlichen Widerstand zu leisten, als 1526 Sultan 
Ss uleiman seine Massen gegen Europa heranführte. Daß dieses geschah, 
war nicht allein das Wiedererwachen des dem Jslam so natürlichen 
Dranges nach kriegerischer Ausbreitung, sondern es war auch veranlaßt 
durch Franz 1. von Frankreich, der in seiner Bedrängniß vor den 
überlegenen Waffen Karls V. durch Herbeirufen der Türken sich zu 
entlasten sucht. Nicht unähnlich ist die Lage der jetzigen, wo ebenfalls 
Frankreich auf die Waffen der Rassen hofft, damit es im Westen für 
sich Raum gewinne eine gebietende Stellung wiederzuerlangen, un: 
bekümmert darum, wie schwer Europas Kultureinheit durch solches 
Hereinziehen geschädigt werden müsse. Auch hier erkennen wir, daß 
geschichtliche Gerechtigkeit Frankreich nicht hat zu dauernder Vorherrschaft 
in Europa gelangen lassen, daß sein eigenes Handeln ihm den Weg zu 
solchem Ziele versperrte, denn was es hier in Bezug. auf die Türken 
that und was es heute in Bezug auf die Rassen thut, das heißt einen 
Theil Europas an fremde Kräfte ausliefern und ist nichts Anderes, als 
wenn Preußen zur Gewinnung der Vorherrschaft in Deutschland 
deutsches Gebiet an Frankreich ausgeliefert hätte, Gelegenheit und Vers 
fiihrung dazu boten sich, Preußen aber widerstand und das hat ihm 
das geschichtliche Recht auf seine Stellung in Deutschland gegeben. 
Juni I5Z0
        

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