Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weltgeschichte in Umrissen
Person:
Yorck von Wartenburg, Maximilian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-59837
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-63732
U.eberwiegen 
Nationalgeschichten. 
der 
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Erfteres allerdings eine Aussallpforte, die für Frankreich eine beständige 
Bedrohung war, wie es zu unseren Zeiten das französifche Straßburg 
für Deutschland gewesen ist. 
Da England aus diesen drohenden Druck nicht verzichten wollte, 
Frankreich ihn nicht auf die Dauer ruhig hinnehmen konnte, so kam 
es zu keinem Friedensschlusse, doch ruhten die Waffen, denn England 
hatte jetzt seinerseits mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen, wie einst 
Frankreich, als die Capetinger ausstarben und die Valois aus den Thron 
kamen. Auch in England kam die Krone an eine Seitenlinie, die der 
Lancaster, deren erster Herrscher Heinrich IV. den letzten direkten 
Plantagenet Richard II. verdrängt. Da solche Usurpationen immer 
an geseHlich bestehenden und allgemein anerkannten Gewalten Anlehnung 
suchen behufs Legitimirung ihres Ursprunges, so gewann in dieser Zeit 
das Parlament erhöhte Bedeutung und größeren Antheil an der Aus: 
Übung der Souveränität. Auch hier also ist es ein Zeitalter der 
nationalen Entwickelung der Einzelstaaten; Frankreich durch seine Kriegs: 
ersolge stellt sich national mächtig und unabhängig her und zwar immer 
unter der Leitung seines Königsthumes, England wird abermals verwiesen 
aus die Grundlagen seiner politischen Zukunft, die aristokratifGe 
Oligarchie. 
Dieses 14. und 15. Jahrhundert sind kaum recht in dem Rahmen 
weltgeschichtlicher Darstellung unterzubringen, denn die nationale Einzel: 
geschichte ist es eben, welche hier überall den Inhalt ausmacht, und 
deren Gesammtheit bildet das Entstehen des neuen Europa, welches in 
diesem Zeiträume den Inhalt der Weltgeschichte ausmacht. Das ges 
waltige Ueberwiegen der nationalen Jnstinkte ist merkwürdig zu sehen. 
Noch soeben beruhte die ganze Weltgeschichte auf dem Widerstreite 
universaler Gedanken, des kaiserlichen und des päpstlichen, und jetzt, wo 
der erstere durch den letzteren besiegt ist, verschwindet der siegreich groß 
dastehende letztere Gedanke wie mit einem Male vor den nationalen 
Potenzen; das aber ist immer das Zeichen, daß etwas weltgeschichtlich 
Neues geboren worden ist, wenn das unbestritten siegreiche Alte plötzlich, 
wie gelähmt, widerstandsunfähig wird. Denn allerdings die Papstkirche 
konnte des errungenen Sieges nicht froh werden. Sie war es gewesen, 
die in wilden Zeiten den Menschen das höhere geistige Element, den 
Hinweis auf etwas über das materielle Dasein Hinausreichendes ges
        

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