Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weltgeschichte in Umrissen
Person:
Yorck von Wartenburg, Maximilian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-59837
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-62106
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Rom. 
heirathete Tante des Sextus Pompejus; und Vermählnng mit der erst 
von ihrem Gatten zu scheidenden Livia Drnsilla bewiesen, daß er weit 
entfernt davon war, gegen weibliche Reize unempfiinglich zu sein, da 
politische Gründe bei der letzteren Ehe in keiner Weise mitspielten. 
Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls verfehlten die Versühruugskiit1ste 
der jetzt 39jährigen Kleopatra auf ihn ihre Wirkung, und als sie dieses 
einsah, sowie, daß sie für den Triumph in Rom bewahrt werde, gab 
sie, ,,non 11umilis mulieri4, sich selbst den Tod. Aegypten ward jetzt 
römische Provinz und damit das Mittelländische Meer ein römischer 
See. Octavian kehrt als Sieger, Alleinherrscher und Pacificator des 
:9 Erdkreises im Jahre 29 nach Rom zurück. 
Schriebe ich nicht als Deutscher, sondern für Franzosen, so würden 
sich der NutHan1oendungen aus diesen Revolutionen und Bürgerkriegen 
gar manche und wichtige ergeben, aber so Schweres auch Deutschland 
schon beschieden war zu leiden, so viel sich deutscher Eigenwille, Recht: 
haberei und Partikularismus schon versiindigt haben, Erfahrungen wie 
die Revolutionen der Romanen mit ihrem vollständigen Umsturze jedes 
Gesetzes, Bruch jeder Treue sind uns erspart geblieben, und unsere 
kleinen Barrikadenereignisse haben zu bestem Glücke für uns selbst 
immer eine lächerliche Seite behalten. Zum Revolutionär ist der 
Deutsche, dessen sei unser Geschick gelobt, verdorben, gerade deshalb, 
weil Niemand so mannhaft wie er, freilich oft auch so eigensinuig 
seinen Fürsten gegenübertritt. Wenn man nicht alles Neuschaffen 
revolntionär nennen, nicht jeden Unterschied zwischen Reformiren und 
Revolutioniren, zwischen Umbauen und Umstiirzen verleugnen will, so 
muß man sagen, daß eben die größten Deutschen, die so vieles Alte 
vernichteten, Luther, Stein, Bismarck, doch niemals revolutionäre Wege 
einschlagen. In solchen Naturen spricht sich der Segen einer gesetz: 
mäßigen Monarchie und eines freien Christenthumes aus, wovon 
Römer und Franzosen nichts wußten noch wissen. Andererseits zeigt 
die Erscheinung des welterobernden und dabei die eigenen Eingeweide 
zerreißenden Rom, gleich wie die des ebenso auftretenden Frankreich, 
daß, wer neben einem solchen Nachbarn lebt, ihn seiner romanischen 
Natur nach zu schätzen hat, also ihn nicht untersOhät3en soll, wenn er 
auch zu Zeiten ein Schauspiel bietet, wie das, welches Rom zu den 
Zeiten von Pharsalos, Philippi und Actium bot. 
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