Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weltgeschichte in Umrissen
Person:
Yorck von Wartenburg, Maximilian
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-59837
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-60308
der Pharaonen. 
Das Reich 
denken, daß die Vorväter der Aegypter aus Asien heriibergekommen im 
.Hochlande Abessinien gehaust hätten und von dort dann allmählich nach 
Norden den Nil herabgestiegen wären; entströmt doch sein einer Quell: 
fluß, der Bahr el Asrek CBlauer NilJ, und sein größter Nebenflnß, der 
Takazzieh, den abessinischen Bergen. Doch führt das in bloße Ver: 
muthungen hinein. 
Von den eigentlichen Anfängen Aegyptens wissen wir Thatsächliches 
nichts, es tritt uns da, wo wir einen Anfang machen können, ein schon 
hoch kultivirtes gewissermaßen fertiges Volk in bestimmter geographischer 
Lage entgegen. ,,Aeghptentt, sagt Napoleon, ,,ist eigentlich nur das Nil: 
Thal von Assuan bis an das MeerH, damit scheint nicht viel und ist 
doch Alles gesagt. Es ist der Staat, welcher entstand und so, wie er 
entstehen konnte aus dem vom Nil geschaffenen schmalen Streifen Kultur: 
landes, nur wenig kleiner als Belgien, freilich im Alterthume wohl von 
noch geringerer Größe, da der Nil unablässig angeschwemmt und ins: 
besondere das Delta vergrößert, ja ganz geschaffen hat, und dessen 
Fruchtbarkeit gekennzeichnet wird durch die Angabe, daß er jetzt auf den 
Quadratkilometer 246 Menschen ernährt, weitaus mehr als irgend ein 
Land Europas. Nach Süden hat er seinen sehr bestimmten und natür: 
lichen geographischeu Abschluß bei Asfuan durch die erste Stromschnelle, 
welche die Schifffahrt unterbricht und oberhalb deren das den Fluß 
begleitende Kulturland zu einem ganz unbedeutenden Maße einschrumpft. 
Im Westen begrenzt es die Wüste, im Osten diese und das Rothe Meer, 
im Norden das Mittelmeer: so liegt es fast inselartig da. 
Der ursprüngliche Zustand dieses Gebietes scheint politisch der ge: 
wesen zu sein, daß es keinen einheitliihen Staat bildete. Ueberhaupt ist 
ein größeres Staatsgebilde nie das Erste, das ist vielmehr erst eine 
Folge der Uebervölkerung, welche die ursprünglichen, selbständigen, in 
eigenem Rechte lebenden Familien, Gaugenossenschasten, Stämme zwingt, 
sich zu einem größeren Verbande zu einigen, wenn sie auf dem ge: 
gebenen Gebiete zusammen fortbestehen nnd sich weiter vermehren wollen. 
Das ist es auch, was inQder fortschreitenden Entwickelung des jetzigen 
theils schon iibervölkerten Europa zu einem einigenden Zusammenschlusse 
in dieser oder jener Form führen muß, wenn anders die jeHigen 
Nationalitäten in ihrer unaushaltsamen zahlenmäßigen Vermehrung ihr 
Dasein wahren wollen. Die größere oder geringere Anzahl Gaue, aus
        

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