Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Nürnberg
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-57405
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-58840
Ref0rmation. 
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Bürgerhäuser wandernden Holzschnitte und 1iupferstiche dazu angethan, seine Kunst 
dem deutschen Volke nahe zu bringen und durch sie Einfluß zu gewinnen auf die 
Geister und Gemiiter. 
Viel gewaltiger und nachhaltiger als in Jtalien war die Bewegung, 
unter der sich in Deutschland die Geburt der neuen Zeit vollzog. Nicht 
der, mit antiken Bildungselementen gesättigte intellektuelle 2Nensch, sondern 
die durch den Glauben frei gewordene sittliche Persönlichkeit war hier das Ziel. 
Die Großthat des deutschen Geistes war nicht der Humanismus, sondern 
die Reformation. 21Tit ihrer Geschichte ist der Name Nürnberg auf das engste 
verbunden. Als Luther für das, was die Herzen bedrängte und wonach die 
Geister sich sehnten, das erlösende WoiOt fand, da zeigte sich Nürnberg als eine 
seiner begeistertsten und mächtigsten Helferinnen. Der freie und gesunde Sinn seiner 
Bürger, denen die ausgedehnten Handelsbeziehungen einen weiten Blick gegeben 
hatten, und die im Bewusstsein ihrer, in der ganzen Welt gerühmten, handwerk: 
lichen Tüchtigkeit und Findigkeit ein seltenes Selbstvertrauen besassen, war der beste 
Boden für die neue Saat. So wohl war dieser hier vorbereitet, dass; in kurzer 
Zeit die neue Lehre die festesten W11rzeln schlug, und Nürnberg eine rein 
protestantische Stadt wurde. So kraftvoll war gleich von Anbeginn an der ge: 
lehrte Ratsherr Wilibald Pirkheimer für sie eingetreten, daß ihn zugleich mit Luther 
der Päpstliche Bannstrahl traf. An seiner Seite erscheint der eifrige Ratsschreiber 
Lazarus Spengler, der als einer der Feurigsten für die evangelische Sache in Nürn: 
berg gewirkt und mehr zu ihrer Festigung gethan hat als Pirkheimer, der zu sehr 
Humanist war, um mit so hingebender Liebe und Aufopferung für die Sache des 
Glaubens zu fechten. Von Bedeutung war es, daß der mit Dürer eng befreundete 
Z1kelanchthon im Jahre s525 in Nürnberg war und im kommenden Jahre wieder: 
kam, um das von ihm gegründete GYmnasium mit einer Rede einzuweihen.  
So waren die leitenden Kreise der Stadt von dem Geiste der Reformation erfüllt, 
aber auch im Volke war er lebendig, und jubelnd brach sich die mächtige Empfindung, 
die man hier den neuen Jdeen entgegenbrachte, Bahn in den mit wUnderbarer. 
Schnelligkeit die deutschen Lande durcheilenden volkstümlichen Liedern des Hans 
Sachs, des gottbegnadeten Schusters, der aus übervoller Brust sein Lied hinaus: 
s chmetterte von der ,,Wittenbergisch Nachtigall, die man jetzt höret überalltt, und der 
mit seinem urwiichsigen und gesunden Humor die Herzen aller gewann. Seine 
Lieder sind wie frohe Sendboten einer mit frischem Lebensmut erfüllten neuen Zeit. 
Unter den grossen 21kännern Nürnbergs, die mit ganzer Seele dem großen 
Reformator zugethan waren und eines Geistes mit ihm, in seinem Sinne wirkten, 
finden wir auch unseren Dürer.58J Wir wissen, mit welchem Eifer er die Schriften 
Luthers las und besitzen in der berühmten, unter dem Eindrücke der fälschlichen 
Nachricht von der Ermordung Luthers im Jahre 152i niedergeschriebenen Stelle 
des Niederländischen Tagebuches ein Bekenntnis, das keinen Zweifel über seine 
Anschauungen und Gesinnungen aufkommen läßt. Es heißt da unter anderm: 
,,O Gott nun hast du mit 2NenschengesetZen nie kein Volk also gräsZlid7 beschweret 
als uns Arme unter dem römiskhen Stuhl, die wir füglich durch dein Blut erlöst 
frei Christen sollen sein.     Und so wir diesen I1kann verlieren, der do klärer 
 e , Nürnberg.
        

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