Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Nürnberg
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-57405
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-57590
Nürnberg. 
und mit inbrünstiger Liebe wird ergriffen, was dieser entsprossen ist. 2lkan versteht 
wieder das geheimnisvolle Rauschen der Eichen: und Buchenwälder, Und gedenkt dabei 
uralter 2lkärchen und Sagen. 217an durchforscht die Vergangenheit und staunt über 
die ungeahnte Pracht 11nd Herrlichkeit der Bilder, die man hier erblickt. Z1kan 
durchwandert das Tand und freut sich an allem, was als stummer und doch so 
beredter Zeuge einer großen Vergangenheit in die Gegenwart hineinragt. Die 
marmornen Tempel und Hallen Griechenlands und die Riesenbauten Roms müssen 
nun zurücktreten vor den künstlerischen Schöpfungen des ZIiittelalters. 2Ikan schwärmt 
für gotische Kirchen mit hohen, bunten SpitZbogenfenstern und kunstvoll gestützten 
Gewölben, die vom Klange der Orgel widerhallen, man begeistert sich an alten 
Ritterburgen und hat seine besondere Freude an dem malerischen Gewinkel der 
alten Städte, denen ein gesundes, von echter deutscher Gesinnung erfülltes und in 
den Künsten wohl bewandertes Bürgertum das markante und unauslöschliche Gepräge 
verliehen hat. 
Da konnte es nicht fehlen, daß Nürnberg, das Jdealbild einer deutschen 
Stadt, die alles, was man mit der Vorstellung einer solchen verband, auf das 
wunderbarste in sich vereinigte, wieder entdeckt wurde. Um so mehr war ihr Un: 
blick dazu angethan, jeden mit Bewunderung für die Thaten deutschen KunstfleisZes 
zu erfüllen, als die Stadt von der Natur mit wenig Reizen begabt, in sandiger 
Ebene und an einem unscheinbaren Flüßchen gelegen, ihre charaktervolle Schönheit 
allein dem FleisZe und der Tüchtigkeit ihrer Bewohner zu verdanken hat. Das 
hatte auch Kaiser Friedrich 1I. anerkannt, der ihr im Jahre l2l9 einen wichtigen 
Freibrief ausgestellt und besondere Privilegien bewilligt hat, weil sie ,,weder Wei11: 
berge noch Schiffahrt besitzt und auf einem sehr harten Boden gelegen isttt. 
21ian fühlte, daß hier der Genius der deutschen Kunst eine Stätte hatte, und 
es skhien einem kein Zufall, daß Dürer, der größte und deutscheste 21ieister deutscher 
Kunst, gerade in Nürnberg geboren ist. Jubelnd sang in jenen Tagen ZNax von 
Schenkendorf seine, seitdem unzählige Zlkale wiederholten Worte von der der edlen 
Künste vollen Stadt, die zu nennen sei 
Wenn einer Deutschland kennen 
Und Deutschland lieben soll. 
Zwar sind auch andere deutsche Städte von der Kunst in besonderer Weise 
ausgezeichnet worden. Wir müssen durch die sächsischen Lande wandern und den 
Rhein und die Donau hinunter fahren, um die monumentalsten und edelsten 
Schöpfungen unserer kirchlichen Baukunst kennen zu lernen, aus dem Grün des 
Thüringer Waldes grüßt uns die stattlichste der deutschen Burgen, und unser 
prächtigstes Schloß spiegelt sich in den Fluten des Neckar. Aber nirgends fühlen 
wir uns so unmittelbar von dem Hauche deutscher Kunst angeweht wie in Nürnberg. 
Merkwürdig, Jahrhunderte haben an Nürnberg gebaut, jedes in seiner Weise, 
jedes charaktervoll in den seinem Wesen entsprechenden Formen, aber sie fügten 
die Teile so harmonisch aneinander nnd sd7ufen alle mit so warmem Gefühl u11d 
voller Kraft, daß das Ganze einen einheitlichen Eindruck ausübt s2lbb. U. Die Geschlechter 
haben gewechselt und mit ihnen der Geschmack und das künstlerische Vermögen, 
aber der Geist, der an Nürnberg baute, hat darüber gemacht, daß die Einheit
        

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