Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wege zur Kunst
Person:
Ruskin, John Feis, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-51021
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-52191
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die Feldlerche. Sie mögen von ihr lernen, was es 
heißt: ,,aus Lust singenU. Sie müssen zuerst das reine 
Freudegefiihl besiHen, ehe Sie es vollendet ausdrücken 
und anderen Menschen 1nittheilen können, die solcher 
Freude fähig sind. Es läßt sich jedoch solchen Menschen 
nicht mittheilen, welche nicht vorbereitet sind, es auf: 
zunehmen. 
Nun ist in ähnlicher Weise jeder echte menschliche 
Gesang der vollendete künstlerische Ausdruck von Freud7 
und Leid für eine von edlen Menschen empfundene, 
gerechte Sache. Und im genauen Verhältnis; zur Rechts 
mäßigkeit der Sache und zur Reinheit der Empfing 
dung steht die Möglichkeit schöner Kunst. Ein Mädchen 
vermag ihre verlorene Liebe, ein Geizhals jedoch nicht 
den Verlust seines Geldes zu besingen. Und so ist, 
genau genommen, die Schönheit aller mög: 
lichen Kunst das äußere Zifferblatt der von 
ihr ausgedrückten sittlichenReinheit und Er: 
habenheit der Empfindung. Das läßt sich jeden 
Augenblick feststellen. Fragen Sie sich hinsichtlich irgend 
eines Gefühls, welches Ihr Gen1üth vollkommen in Vef1h 
genommen hat: Könnte dies von einem Meister würdig 
in ausdrucksvoller Melodie besungen werdenP Als: 
dann ist es ein richtiges Gefühl. Könnte es überhaupt 
nicht oder nur scherzhaft besnngen werden, so ist es 
ein niedriges Gefühl. Und so verhält es sich in allen 
Künsten. Daher mit mathematischer Gewißheit gesagt
        

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