Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gothik und Renaissance
Person:
Ruskin, John Feis, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-49522
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-50499
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Unwissenheit zu verrathen, wenn er andern Freude 
bereiten konnte. Aber die Renaissance ist geradezu 
das Gegcntheil von allem dem. Sie Hist streng, kalt, 
unmenschlich, unfähig sich zu begeisteru, sich herabzu- 
lassen oder auf einen Augenblick nachzugehen. Welchen 
Vorzug sie auch haben mag: es ist ein verfeinerter, 
hochgebildeter und geschulter Geschmack; eine Art, die, 
wie der Architekt sehr wohl weiß, keinem gewöhn- 
lichen Geist gefallen kann. Er verkündet es laut: 
,,Jhr könnt für meine Arbeit kein Gefühl haben, wenn 
Ihr nicht Vitrivius studirt. Ich gebe Euch keine 
bunte Farbe, kein freundliches Bildwerk, nichts, um 
Euch zu begliicken; denn ich bin ein gelehrter Mann. 
Aller Genuß, den Euch eine Arbeit von mir bereiten 
kann, liegt in ihrer stolzen Abkunft, ihrem strengen 
Formalismus, ihrer sauberen Ausführung, ihrer kalten 
Ruhe. Ich schaffe nicht für den gewöhnlichen Mann, 
sondern nur fiir die Akademie und den Hof." 
Und die Welt empfand dies instinktiv und sofort 
heraus. In der nie dagewesenen, peinlichen Genauig- 
keit und Geset,3mäßigkeit der klassischen Formen nahm 
man etwas wahr, was sich besonders dazu eignete, um 
auf eine zum Entzücken von Fürsten auffällige Weise  
Standeshoheit auszuprägen. Die gothische Architektur 
paßte für Gottesverehrung, aber die der Renaissance für 
Menschenverehrnng. Die Gothik war der Genosse 
aller Herzen, war allumfafsend wie die Natur: sie
        

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