Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gothik und Renaissance
Person:
Ruskin, John Feis, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-49522
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-50872
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Weise; sie lauert in den Falten der Gewänder, in 
den zerzausten Haaren, in dem bergartigen Glieder- 
Wirrwarr und in den wolkenartigen Behängen; bei 
Tintoretto beherrscht sie die schöpserische Idee seiner 
größten Werke dermaßen, daß sie selbst bis aus den 
heutigen Tag den kleinlici)en Jüngern der sor- 
mellen Kritik ein Räthsel oder ein Dorn im Auge ist. 
Ueber das Groteske unseres Shakespeare brauche ich 
schwerlich zu reden; noch darüber, daß es seinen fran- 
zösischen Kritikern unoerdaulich ist; noch über das des 
Aeschylos und Homer im Gegensatz zu den unterge- 
ordneteren griechischen Schriftstellern, und es wird, 
wie ich glaube, zu allen Zeiten in allen Geistern 
ersten Ranges zu finden sein. 
Als ein Gradmesser der Größe der Nationen ist 
es ein minder zuverlässiger Maaßstab, oder wir können 
uns vielmehr über das Wort ,,Größe" hinsichtlich 
derselben nicht so gut verständigen. Eine Nation mag 
Großes wirken, einen hohen Plah in der Weltge- 
schichte durch die zeitweilige Begeisterung oder durch 
die Wuth der großen Masse einnehmen, und doch nicht 
wahrhaft groß sein; oder anderseits mag die mora- 
lische Zucht und der Gemeinverstand ihre physische 
Kraft aufbauen, ihren Wohlstand erhöhen, indessen 
ihre schöpferische Einbildungskräste dennoch abnehmen. 
Und wiederum: ein Volk mag eine ganz entschiedene 
Fiihrerschast über die übrige Welt nach einer Richtung
        

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