Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gothik und Renaissance
Person:
Ruskin, John Feis, Jakob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-49522
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-50724
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abzuschneiden und beim Haar am Ende eines Kranzes 
aufzuhängen. Wenn wir den menschlichen Körper 
in der höchsten Vollkommenheit seiner Anmnth und 
Bewegungen zeichnen können, so ist es nicht unser Ge- 
schäft, seine Glieder abzunehmen und ihn mit Laub- 
werk abzuschließen. Oder vielmehr, wenn wir es 
thun, so ergiebt sich daraus, daß wir auf falschem 
Wege sind; daß, wenn wir uns verleiten lassen 
können, unsere besten Anlagen solchen Nichtigkeiten 
zuzuwenden, daß diesen Anlagen selber etwas mangelt; 
und daß so sehr geschickt oder gelehrt wir immer 
sein mögen, wir sowohl des C?-rnstes entbehren, der 
eine edle Wahrheit erfassen kann, wie auch der Ge- 
dankentiefe, die für den Adel der Furcht empfänglich 
ist. Keine göttliche Scheu wird jemals in der Arbeit 
eines Menschen zu finden sein, der eine gewaltige 
Kraft auf die Ausarbeitung von Spielzeugen vergeu- 
det; denn was jene Scheu uns vor allen Dingen 
lehren sollte, ist dies: daß wir den Werth der mensch- 
lichen Seele und die kurze Dauer unseres Daseins 
erkennen. 
Und sollen wir, wird man fragen, niemals eine 
verfeinerte oder vervollkommnete OrnaInentik haben? 
Muß alle Verzierung die Arbeit des Unwissenden und 
Rohen sein? Nicht doch; sondern ganz genau in dem 
Maße, als die Unwissenheit und die Rol)heit sich 
verringert, wird die Orna1nentation eine vernünftige
        

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