Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Künstler des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-43027
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-46183
Die Gertnania. 
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durch ergriffen und zugleich begeistert, denn der Künstler 
hat es rührend und erhebend zugleich darzustellen verstanden. 
Obwohl die ganze Gruppe sich nicht von allen Seiten gleich 
glücklich aufbaut, ist doch besonders der liebevoll und tröstend 
sich niedersenkende Genius ein vollendetes Meisterstück der 
Erfindung. Es ist eben ganz etwas Anderes die Opfer eines 
ungeheuren Schicksals, das man selbst miterlebt, das unsere 
Brust wie die aller Anderen erschüttert und aufja1uhzen ge- 
macht hat, in einigen Figuren konzentrirt darzustellen als 
bloß eine gleichgiltige Reproduktion irgend welcher, wenn 
auch noch so ansprechender fremder Ideale zu geben. 
Schilling ist aber in besonderem Grade Geniüthsmensch, der 
um andere erwärmen zu können, erst selbst warm werden muß. 
Im Jahre 1877 entstanden zwei vortrefflich trotzig 
erfundene ruhende Löwen, die in Bronze gegossen an der 
Jnfanteriekaserne in Dresden stehen, außerdem wieder 
mehrere Büften, so der Könige Albert und Johann für das 
Johanneu1u in Dresden.  
Während alle diese Arbeiten reiften, nahm jedoch die 
HauptaUfmerksamkeit fortwährend das Niederwalddenkinal in 
Anspruch, zu welchem am 16. Sept. 1877 durch den Kaiser und 
die Kaiserin im Beisein einer unermeßlichen Volksmenge der 
Grundstein gelegt wurde, wobei der Meister desselben natürlich 
eine Hauptrolle spielte. Noch das ganze folgende Jahr ver- 
ging, bis der Künstler das fertige Modell der Germania in die 
königliche Erzgießerei nach München bringen konnte. Obwohl 
es hier nur einge Tage ausgestellt blieb, und auch da nur 
in zwei Hälften getheilt, so erwarb es doch die höchste Be- 
wunderung derer, die es sahen. Bei dieser Gelegenheit lernte 
ich den als hochberühmten Künstler wieder kennen, den ich
        

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