Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Künstler des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-43027
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-45083
nicht erreicht habe!" -Oder war das nur ein Vorwand, weil 
ihnen die Produktion doch zu schwach deuchte? Denn sonst 
hätte das ja nur ein Grund mehr sein n1üssen ihn zu fördern. 
Dafür ließ man ihn jetzt aber auch nicht um den ,,Kaiser- 
preis" concurriren, ,,weil das einem Gewinner des Reichel- 
schen nicht gestattet sei." 
Glücklicherweise war es nicht seine Art, sich so leicht 
abschrecken zu lassen; eine ächt schwäbische Nachhaltigkeit der 
WiIIenskraft hatte sich bei ihm zeitig entwickelt. Auch war 
ihm das Glück anderwärts günstig. Er verkaufte einen 
Fischer nach Goethe an den Knnstverein und erhielt den 
Auftrag für die Piaristenkirche in der Josesstadt den Hoch- 
altar mit der ,,Vermählung Mariä" zu zieren,  einem 
Bilde von 22 Fuß Höhe, für das ihm die armen Patres zwar 
nur 300 Gulden zahlten, dafür aber seinen Namen als 
Kirchenwohlthäter ins goldene Buch setzten. Es ward 1883 
fertig und der Meister hat es mir einmal selbst gezeigt. 
Nicht ohne berechtigten Stolz; denn es ist für einen einund- 
zwanzigjährigen jungen Menschen eine schon durch die Kühn- 
heit in der te(hnischen Bewältigung des Gegenstandes be- 
deutende Leistung, und im Grunde sogar nicht einmal 
wesentlich von dem unterschieden, was der Künstler später 
gemacht hat. Das Bild zeigt denselben Sinn für große 
Forn1behandlung, der zu seinen bedeutendsten künstlerischen 
Eigenschaften gehörte. Jene Kühnheit aber, die sich in einer 
neuen und überraschenden Auffassung des Gegenstandes äußert, 
wie sie ein Raphael oder selbst ein Führich ebenso früh 
zeigen, die wird man freilich vergeblich suchen, man könnte 
das Bild am ehesten einem der deutschen Carraccisten zu- 
schreiben.
        

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