Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Künstler des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-35496
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-36472
Musäus7 BolksmZrchen. 
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zu den reizendsten Erfindungen zu verwcrthen. Da lag also, 
besonders bei der Nachbarschaft Leipzig7s mit feinen unter: 
nehn1ungsZslnftigen Buchhändlern, die Versuchung zum Jllu: 
striren umso näher, als damals gerade sich die ersten Anfänge 
jener Berzier11ngs3lnft von Frankreich nach Deutschland her: 
überverpflanzt hatten. Eugen Neurenther der im Cid und 
den reizenden Arabesken zu Götheis Balladen, sowie in den 
bairischen Gebirgsliedern, den vielbernfenen Schnaderhüpfeln, 
einen direkt an Dürer anknüpfenden eigenthiimlich nationalen 
nnd mit nner1neßlichem Beifall belohnten Anfang gemacht, 
reizte den Unternehmungsgeist zur Nachahmung. So ward 
denn Richter, der sich ja bei feinen Compofitionen bereits 
mit verwandter Weise in der Mährchenwclt der Romantik 
un1gethan, bald vielfach in dieser Richtung in Anspruch ge: 
nommen. 
Die erste bedeutende Unternehmung jener Zeit nach dein 
,,1ualerischen und romantischen DeutschlandU waren die Jllus 
strationen zu den deutschen Volksbüchern, vorab zu M usäu s, 
Volksmärchen. Die leicht ironisch 1nodernisirende, nicht 
eben poetische, aber dem Rationalismus des Jahrhunderts der 
,,AusklärungH um so mehr entsprechende Behandlung des 
alten Stoffes hat Richter wunderbar glücklich mit dem echtesten 
kiinstlerischeu Gehalt zu erfüllen, iu7s reinste Gold der Poesie 
umzuwandeln gewußt. Aus der nüchternen Anschauung der 
,,GebildetenH übcrset3te er sie in den naiven Volkstou und zwar 
vorzugsweise in das n1itteldcutsche, besonders sächsische moderne 
Volksleben zurück, womit er ihnen den richtigen Boden und 
ein ungeheures, sich selber oder die Herren Vettern mit Ents 
zücken wiederfindendes Publikum zuriicgewann. Wie sich 
etwa Stadtkinder die erzählten Begebenheiten denken, die
        

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