Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Wissenschaft in Gewerbe und Industrie
Person:
Richter, Karl Thomas
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-32777
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-33992
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Mitte des Gewerbestandes selbst, in Ländern selbst, deren einfache 
gewerbliche Thätigkeit noch keinen maßgebenden Höhepunkt erreicht 
haben, so zögern wir nicht länger dieses Bedürsniß allenthalben 
auch bei uns zu befriedigen und befriedigen wir es nach dem 
Beispiele jener Staaten, welche uns schon die nach den Ers 
fahrungen langer Jahre bewährten Muster liefern. Folgen wir 
den Grundsähen, welche jene angewendet haben, nutzen wir die 
Resultate der Erfahrung, welche jene uns bereitwilligst mittheilen. 
Vergessen wir dabei aber nie den Grundsatz, den wir in vers 
schiedenen Bemerkungen schon angedeutet haben. Sohulen, welche 
einen besondern und ausschließlichen Zweck haben, müssen frei 
ihrem Zweck nur dienen und dürfen nicht mit andern Elementen 
vermischt werden. Zumeist gilt dies von einer Kunstge1verbeschule. 
Eine solche Schule kann nicht, wie ich glaube, mit der Technik 
verbunden werden, denn dadurch muß sie ihrem Geist entfrems 
det werden, aber auch nicht mit der Kunstakademie, denn mit 
ihr kann sie nie ihrer wahren Aufgabe entsprechen. Wo man 
solche Vermischungen einst versuchte, war man bald wieder bemüht, 
sie zu trennen. So in Venedig, wo man mit der Akademie eine 
Schule vereint hat, die dem Gewerbe sich zuwendet. So in 
Sachsen, wo man schon 1763 bei der Gründung der Akademie die 
Gewerbe im Auge hatte. Die Academie erblühte, die Kunstgewerbe: 
thätigkeit nicht. Im Jahre 1816 trennte man sie endlich und ihr 
Nutzen, der aus seinen besonderen Wegen dahinschreitet, ist heute 
entschieden. Neinl Diese Sihulen müssen frei sein und dürfen 
nur soweit mit außer ihnen liegenden Interessen verbunden sein, 
als diese ihnen gleich sind. 
Und neben der Musterschule muß das Terrain der Specials 
zeichenschule entwickelt werden. Und dieses Terrain wieder ist 
dasjenige, das abermals die freie Thätigleit der Vereine erfass 
sen und bebauen muß, damit es den Sonderinteressen zu dienen 
im Stande ist. Wien zählt in stiller Verborgenheit, wie ich 
glaube, schon einige solche Schulen, und jene des TischlersLuds
        

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