Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-29944
nach vollbrachtet Unthat und während die Zeugen des Vorgangs 
in die Stadt zurückkehren, der Himmel Ich verfinstert, die Erde 
bebt, ein Schauer durch die Natur geht und die erschreckten Be: 
wohner der Stadt aus den Häusern herausstiirzen, während 
mitten unter ihnen eine dunkle Gestalt, die Judas sein könnte, 
fITh fCheu und schuldbewußt durchdrückt. Das Ganze ist gut ge: 
zeichnet und gestimmt und bringt den unheimlichsten Eindruck 
hervor. Ein großer Christus, der eben mit dem Verbrecher von 
Pilatus ausgestellt wird, damit sich das Volk entscheide, welcher 
von Beiden hingerichtet werden solle, und dasselbe brüllend den 
Tod für ihn beantragt, hält leider nicht, was jenes erste Bild 
verspricht, und ist bei manchem Hübschen in der Erfindung doch viel 
fChwiicher gemalt. Wie es denn eine förmliche Tradition unter 
den Historienmalern strengen Styls noch heute zu sein scheint, 
das; man nicht malen lernen dürfe. Damit und mit einer kühlen 
heiligen Familie von Neugebauer sind wir mit der religiösen 
Kunst so ziemlich zu Ende. 
 Es bleibt uns noch Einiges aus der Profanhistorie älterer 
Richtung nachzuholen: Das Bedeutendste End jedenfalls die Skizzen 
Rahl9s zu dem Fries für die Universität in Athen, die eine Art 
griechischer Kulturgeschichte darstellen, welche mit dem Mythus des 
den Göttern das Feuer stehlenden Prometheus anfängt und mit 
Aristoteles aufhört. Groß gedacht und phantasiedol1 componirt 
machen sie bei ihrer kräftigen Färbung einen schönen Eindruck, 
obwohl man selbst hier nicht ganz über die Empfindung einer 
gewissen Rohheit der Fonnengebung hinauskömmt, die Ach nun 
Einmal durch alle RahlIschen Kunstwerke zieht, ihnen immer etwas 
bloß Decoratives gibt, nähere Betrachtung nicht aushält. Sehr 
Seistreidh und überaus anziehend sind dagegen eine Reihe kleiner 
AkIuarellfkizzen zu verschiedenen monumentalen Zwecken, wo die 
TSTc2e Phantasie des Künstlers noch reiner wirkt.  Von der 
Ukht unbedeutenden Rahl7schen Schule ist auffallender Weise 
Peche, Kunst und .tiunstindustrie. C
        

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