Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-28236
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-29907
Carnation etwas leblos zu werden, indem er mehr auf die 
Richtigkeit des Tons als auf die Art ßeht, wie er ihn hervor, 
bringt, so daß derselbe deßhalb oft etwas undurchüchtiges, opakes 
erhält. Dagegen accentuirt Lenbach die Pläne bei weitem nicht 
mit der plastifchen Schärfe, die jener zeigt nnd die an einem 
Velasquez oder Holbein so bewunderungswürdig erscheint, ja 
wird oft beinahe form: wenn auch sicherlich nie leblos. Die 
besten seiner Portraite sind zwei Damen, eine, die man wieder 
unter die überhaupt sehr zahlreich vertretene Rubrik der Bankiers: 
srauen rangieren möchte, ohne sie zu kennen, aber von einer 
geistreichen Lebensfülle, die sie schon in die literarisch:kiinstlerische 
Abtheilung derselben verweist, und ein Mädchen in einer Art 
altdeutschen Costüms, von einer Feinheit und seelenvollen Jnnig: 
keit des Ausdrucks, einem undefinirbaren Zauber, einer süßen 
Milde und Blässe des Colorits, die ne weit über alle seine 
andern Leistungen hinausheben. 
Es wären nun in dieser glänzenden Seite der Wiener 
Kunst noch viele sehr achtbare Leistungen von Ammerling, Aigner, 
Lafite, Oeconomo, Raub, Schrozberg, Gustav Gaul u. A. m. 
zu erwähnen, bei denen ich mich aber leider nicht aufhalten 
kann, um höchstens noch zweier Knaben in Rubens7scher Tracht 
von Charlemont, einem Schüler oder Jnspirirten Makarts, zu 
gedenken, sehr ungezwungen bewegt und ausgezeichnet colorirt. 
Auch Canon hat einige bemerkenswerth tüchtige Bildnisse 
aus Stuttgart eingesandt, die seine beste Eigenschaft, groß und 
historisch aufzufassen, in hervorragendem Maße theilen. Nur hat 
er sie sehr unnöthig in alte Costüme gesteckt, aus denen der mo: 
derne Kopf merklich auffallend maskenartig heraussieht. So bei 
einem Jäger mit Hunden im Costüm des ßebzehnten Jahr: 
hunderts, dem er überdies; auch noch genau die bekannte Stellung 
des antiken Diskuswerfers gegeben. Aber antike Posen in dreißig: 
jährigen Kriegshosen und irgend ein modernes Schwabengestcht 
mischt man nicht ungestraft untereinander, man mache es so 
energisch, als man will.  Am besten ist ein allerliebst pi: 
kantes Mädchen mit röthlichen Haaren als Früchteträgerin, auch 
ihr Pendant, ein Knabe als Page, beide sind breit und groß 
gesehen. Leider hat das Colorit sämmtliche: Bilder etwas zu 
gläsernes und gelbes, als wenn ein dicker alter Firnisz darauf läge. 
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